Tierschutz : Störe erobern Ostsee zurück

Einer der im April 2013 in der Oder ausgesetzten Störe.
Einer der im April 2013 in der Oder ausgesetzten Störe.

Bemühungen um die Wiederansiedlung des Fisches scheinen erfolgreich zu sein. Auch wieder mehr Aale registriert.

svz.de von
23. September 2015, 21:00 Uhr

Gut 100 Jahre nach seiner Ausrottung in der Ostsee erobert sich der Stör nun offenbar auch dieses Terrain langsam wieder zurück. Vor Jahren in der Oder ausgesetzte Jungtiere seien bis in die Küstengewässer vor Bornholm und ins Kattegat zwischen Dänemark und Schweden weitergewandert. „Das belegen Rückfänge, die uns Fischer gemeldet haben“, sagte der Biologe Gerd-Michael Arndt vom Landes-Institut für Fischerei in Rostock, das gestern eine Bilanz seiner jüngsten Forschungsprojekte zog.

Für die Wiederansiedlung des Baltischen Störs (Acipenser oxyrinchus) in der Ostsee werden in der Instituts-Außenstelle in Born auf dem Darß schon seit Längerem Jungtiere gezüchtet. Sie wurden und werden in der Oder – als späterem Laichgebiet – ausgesetzt und gelangen über das Stettiner Haff dann ins Meer.

Vor zehn Jahren waren Elterntiere aus dem kanadischen Saint John River nach Born geholt worden. Deren Erbgut soll mit dem der baltischen Art übereinstimmen. Manche der Jungtiere seien mit Marken oder Sendern versehen, sodass deren Wanderung in der Ostsee nun nachverfolgt werden könne, erklärte Arndt. „Wichtig ist, dass die Fischer regelmäßig über das Wiederansiedlungsprojekt informiert werden und eng mit uns kooperieren“, betonte der Wissenschaftler. Nach Einschätzung Arndts zeichnen sich auch bei weiteren, durch Zuschüsse der EU und andere Drittmittel geförderten Projekte Erfolge ab. Dazu zählten die Zucht des Ostseeschnäpels, einer Lachsart, in Aquakulturen und die Stabilisierung der Aalbestände durch regelmäßigen Besatz.

Wie der Biologe Malte Dorow sagte, stellte das Landes-Fischerei- Institut bei seinen Untersuchungen vor der Ostseeküste wieder vermehrt Aale fest. „Die Tendenz ist noch verhalten. Aber die Entwicklung macht Hoffnung“, sagte er. Das europaweite Schutzprogramm für Aale scheine somit erste Erfolge zu bringen.

Laut Dorow unterstützte die EU in den vergangenen drei Jahren die Vorhaben des Instituts mit insgesamt fast zwei Millionen Euro. Allein 300 000 Euro sind den Angaben zufolge jährlich für den Kauf von sogenannten Glasaalen eingesetzt worden. Wie Dorow sagte, werden die Jungtiere meist vor Frankreich gefangen und müssen laut EU-Verordnung zu 60 Prozent für den Besatz europäischer Flüsse und Seen bereitgestellt werden. 40 Prozent dürften unter anderem nach Asien exportiert werden, wo Glasaale als teure Delikatesse gelten.

Die frühere ungezügelte Jagd auf die Jungaale hatte die natürliche Vermehrung dieser Tiere und deren Wanderung in die Flüsse erheblich eingeschränkt.Das bekamen auch Binnen- und Küstenfischer in Mecklenburg-Vorpommern zu spüren, deren Fangmengen seit Mitte der 1980er Jahre erheblich schrumpften.

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