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Wirtschaft MV : Stimmungsflaute in der Chefetage

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Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

In der Wirtschaft in MV wächst Zahl der Pessimisten – die Geschäfte laufen aber immer noch gut / Unternehmen beklagen Lohnkostenanstieg

svz.de von
erstellt am 07.Jan.2015 | 12:00 Uhr

Unsicherheit in der Chefetage: Die Stimmung in der Wirtschaft in MV hat sich eingetrübt – bleibt aber immer noch besser als im Bundesschnitt. Es gebe „Signale deutlicher Verunsicherung aus allen Branchen“, erklärte Thomas Lambusch, Präsident der Vereinigung der Unternehmensverbände (VUMV) bei der Vorstellung des Jahresausblicks gestern in Schwerin. Die Situation habe sich „sichtbar verschlechtert“. Vor einem Jahr habe noch jeder zweite Unternehmer gute und bessere Geschäfte erwartet. Anfang 2015 habe sich der Anteil der Optimisten um 32 auf 24 Prozent verringert: „Ein deutlicher Absturz“, meinte VUMV-Hauptgeschäftsführer Nico Fickinger. Der Anteil der Pessimisten hat sich der Umfrage zufolge hingegen auf 29 Prozent verdreifacht. Zuversicht herrscht vor allem im Dienstleistungsbereich, aber auch in der chemischen Industrie, im Bergbau, im Einzelhandel, in Callcentern, bei Gebäudeausrüstern. Die Klagen wachsen in der Metall- und Elektrobranche, in der Hotelerie und im Groß- und Außenhandel.

Mindestlohn, Rente mit 63, Mütterrente: Durch Eingriffe der Politik kämen auf die Unternehmen steigende Personal- und Arbeitskosten zu. „Das ist die große Sorge“, sagte Lambusch. Bereits 2014 hätten die Lohnsteigerungen in MV über dem Produktivitätszuwachs gelegen, erklärte Lothar Wilken von der VUMV-Hauptgeschäftsführung. Zudem baue die Einführung des Mindestlohns eine Reihe von bürokratischen Hürden auf, so Lambusch: „Der Mindestlohn ist ein Experiment mit einer Vielzahl von Stellschrauben, wo wir nicht wissen, wie sie wirken.“ So müsse z. B. elf Jahre nach der mit den Gewerkschaften vereinbarten Einführung eines einheitlichen Entgeltrahmens in der Metallindustrie wieder der Lohn je Stunde ermittelt werden: „Ein Rückgang in die Steinzeit.“ Die Einführung der Lohnuntergrenze sehen vor allem Hoteliers und Gastronomen mit Graus. Die Branche stehe vor bis zu 30-prozentigen Kostensteigerungen, erklärte Fickinger. Aber in der Metall- und Elektroindustrie   beispielsweise hätten 90 Prozent der Firmen angegeben, dass sie die höheren Kosten nicht oder nur teilweise weitergeben könnten. Inzwischen bekämen die Firmen in MV auch die weltpolitischen Risiken deutlicher zu spüren. Zudem laste die Konjunkturschwäche in einigen EU-Ländern auf der Wirtschaft.

Die Geschäfte laufen aber dennoch gut: Vier von fünf Unternehmen wollen gleichviel oder mehr investieren. Etwa 60 Prozent der Firmen gehen von wachsenden, zumindest aber gleichbleibenden Umsätzen aus. Gut für die Belegschaften: 75 Prozent der Betriebe wollen neue Leute einstellen oder ihr Personal halten. Vor einem Jahr waren es 86 Prozent. „Wer gute Leute hat, versucht sie zu halten“, sagte Lambusch.

Die VUMV-Umfrage weicht von anderen Konjunkturanalysen ab: Erst vor einer Woche kamen die IHK sowie die Handwerkskammer Schwerin zu einem anderen Schluss. „Den Unternehmen geht es gut, vielen sehr gut“, hatte Schwerins IHK-Chef Siegbert Eisenach erklärt. Die Firmen würden vor allem langfristige Entscheidungen treffen und ihre Investitionen hochfahren. Ein Drittel der Betriebe wollte vor allem seine Kapazitäten erweitern – doppelt so viele Firmen wie vor einem Jahr. Das Handwerk meldete die besten Stimmungswerte seit mehr als zwei Jahrzehnten.

 

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