Finanzstreit : „Steuergeld hat im Profifußball nichts zu suchen“

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17. März 2014, 21:30 Uhr

Finanzstreit am Spielfeldrand: Die vom Land in Erwägung gezogene Staatshilfe für den hoch verschuldeten Fußball-Verein FC Hansa Rostock bringen den Bund der Steuerzahler (BdSt) und den Landesrechnungshof auf. „Steuergeld hat im Profi-Fußball nichts zu suchen“, lehnte BdSt-Sprecher Rainer Kersten Staatshilfen ab. Mit der Bürgschaft habe MV einen „Tabubruch“ begangen und sei jetzt „Gefangener der damaligen Entscheidung“. Hansas Banken hatten sich am vergangenen Freitag zu einem Schuldenschnitt bereiterklärt. Acht Millionen Euro sollen dem Verein erlassen werden. Voraussetzung: Das Land zahlt einen Teil der 2010 an Hansa gegebenen Staatsbürgschaft an die Banken aus – zwischen 2,4 und 2,8 Millionen Euro.

Verluste für die Landeskasse: Die Entwicklung sei absehbar gewesen, kritisierte der Präsident des Landesrechnungshofes Tilmann Schweisfurth. Für das Land habe von Anfang an ein höheres Risiko bestanden, da bei Hansa „keine stabile Ertragslage erkennbar“ gewesen sei. Für das Land sei es „hochriskant“ in sportlichen Erfolg zu investieren, meinte Kersten. Allerdings könne es nach der Bürgschaftsentscheidung sinnvoller sein, dem Schuldenschnitt zuzustimmen, als noch mehr Geld zu verlieren.

Der Deal ist heikel: Millionenhilfen für einen Profiverein – Finanzministerin Heike Polzin (SPD) geht vorerst auf Tauchstation. Nur so viel: Bislang liege kein Antrag der Banken vor, hieß es gestern in ihrem Haus. Zurückhaltung auch in der SPD-Landtagsfraktion: Noch 2010 hatten die Regierungsparteien die Staatsgarantie verteidigt. Das Land gehe kein höheres Risiko ein als bei anderen derartigen Bürgschaftsersuchen auch, wehrte Rudolf Borchert, Finanzexperte der SPD-Fraktion damals Kritik ab. Sein CDU-Koalitionskollege Wolfgang Waldmüller hatte damals sogar ein wichtiges Signal für einen Neuaufbruch gesehen. Dreieinhalb Jahre später sind den Sozialdemokraten Nachfragen unangenehm: Vor einer Entscheidung müsse das Konzept auf den Tisch, meinte Fraktionssprecher Alexander Kujat gestern knapp.

Ungewohnte Zurückhaltung auch bei der Opposition: Es müsse abgewogen werden, meinte Grünen-Abgeordneter Johannes Saalfeld. Gehe dem Land im Falle einer Insolvenz des Vereins die gesamte Finanzhilfe verloren, könne es gerechtfertigt sein, den Verein zu retten. Auch die Linken signalisieren Unterstützung: „Wir tragen jede Lösung mit, die Hansa Rostock hilft und für das Land wirtschaftlich vertretbar ist“, sagt Linken-Fraktionschef Helmut Holter. Zunächst müssten „aber alle Karten auf den Tisch“. Holter: Es sei allerdings problematisch, wenn in die Förderung des Profisports Millionenbeträge fließen, für den Breitensport aber zu wenig übrigbleibe.


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