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Stellenpoker im Werftdock

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erstellt am 21.Mai.2010 | 08:00 Uhr

Wismar | Bewegung im Dock: Werfteigner Witali Jussufow und die IG Metall stehen vor dem Abschluss eines Beschäftigungspaktes. Damit solle ein Fahrplan aufgestellt werden, mit dem vorbehaltlich weiterer Schiffbauaufträge und gesicherter Finanzierungen Beschäftigung auf den Werften gesichert werden soll, hieß es gestern aus Verhandlungskreisen. Jussufow werde sich darin zu konkreten Mitarbeiterzahlen für beide Standorte bekennen.

Die Tarif-Vereinbarung steht unter dem Vorbehalt der Zustimmung der Gewerkschaftsmitglieder. "Wir haben ein Verhandlungsergebnis", erklärte Heiko Messerschmidt, Sprecher der IG Metall Küste. In Wismar stehe die Abstimmung am Mittwoch, in Warnemünde am Donnerstag an, teilte Ex-Betriebsrätin Ines Scheel mit. Einzelheiten sollen erst mit Ablauf der Erklärungsfrist am 31. Mai genannt werden, sagte Jussufow-Sprecherin Tina Mentner.

Hintergrund der Vereinbarung ist die im Kaufvertrag vereinbarte Stellengarantie. Jussufow hat "mindestens 1200 Vollzeitarbeitsverhältnisse an beiden Standorten" garantiert. "Die Käufer werden sicherstellen, dass hiervon mindestens 600 Arbeitsplätze auf jeden der beiden Standorte entfallen", heißt es in dem unserer Redaktion vorliegenden Vertrag. Für den Fall, dass Jussufow seine Arbeitsplatzzusagen nicht einhalten kann, droht ihm laut Vertrag eine Vertragsstrafe von "maximal" 15 Millionen Euro: "Erfüllen die Käufer ihre Verpflichtungen ... nicht, so sind die Verkäufer ... berechtigt, eine Vertragsstrafe von 1000 pro Monat für jeden fehlenden Vollzeitarbeitsplatz, höchstens jedoch 10 000 p. a. für jeden fehlenden Vollzeitarbeitsplatz zu verlangen."

Wie es jetzt hieß, habe sich diese Vereinbarung bei den Finanzierungsgesprächen für den einzigen in den Büchern stehenden Neubauauftrag als Hindernis erwiesen. Jussufow hatte deshalb auf eine Neuregelung gedrängt.

Indes spitzt sich die Lage auf den Werften erneut zu. Die beiden mit Millionenhilfe des Landes verlängerten Beschäftigungsgesellschaften für 1450 Mitarbeiter laufen nach einem Jahr Ende Juni aus. Eine Fortsetzung ist diesmal ausgeschlossen.

Jussufow ist allerdings von seinen Zusagen noch weit entfernt. So steht weder die komplette Finanzierung für den Bau des 100 Millionen Euro teuren eisbrechenden Tankers für den russischen Bergbaukonzern Norilsk Nickel, noch hat Jussufow alle 1200 Mitarbeiter auf der Gehaltsliste. Die Zitterpartie für die Beschäftigten müsse endlich ein Ende haben, forderte der Linken-Landtagsfraktionschef Helmut Holter. Die sich abzeichnenden Aufträge müssten "möglichst rasch beschäftigungswirksam" werden. "Dazu muss endlich die Finanzierung der Aufträge in trockene Tücher."

Ungeachtet der Kritik gibt sich der Werftchef zuversichtlich: "So schwarz sehen wir die Lage nicht", so Unternehmenssprecherin Mentner. "Die Finanzierung ist nicht so unsicher, wie oft dargestellt." Ein Fünftel der Finanzierung sei abgesichert. Mit Norisk Nickel habe man einen "extrem solventen Partner". Mit den Banken werde über die Absicherung der nächsten Tranchen verhandelt. Gleichzeitig gebe es Gespräche über weitere Aufträge. Derzeit stellen 700 Arbeiter aus Wismar und 100 aus Warnemünde die letzten der beiden Stena-Großfähren fertig. Wie geplant sollen am 1. Juli die Stahlarbeiten für den Tanker beginnen.

Hoffnungen auf den Weiterbau eines auf den Werften angefangenen und ursprünglich für die Laeisz-Reederei bestimmten Containerfrachters haben sich offenbar vorerst wieder zerschlagen. Meldungen, wonach die Hamburger Investorengruppe Ocean Partners Shipping das Schiff bereits nach Pfingsten übernehmen werde und weiterbauen lassen wolle, wollte das Emmissionshaus gestern nicht bestätigen. Ocean Partners Shipping nehme dazu keine Stellung, sagte eine Sprecherin.

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