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EU regelt Kennzeichnung von Lebensmitteln neu : Steckbrief für Verbraucher

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Für Marmelade, Dosen-Suppe und Nudeln brechen neue Zeiten an. Nach drei Jahren Streit hat das Europäische Parlament am Mittwoch die neuen Regelungen zur Kennzeichnung von Lebensmitteln gebilligt.

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erstellt am 06.Jul.2011 | 07:39 Uhr

Brüssel/Straßburg | Für Marmelade, Dosen-Suppe und Nudeln brechen neue Zeiten an. Nach dreijährigem Streit hat das Europäische Parlament in Straßburg gestern die neuen Regelungen zur Kennzeichnung von Lebensmitteln gebilligt. Nachdem die Ampel schon länger vom Tisch ist, werden nahezu alle Nahrungsmittel mit kleinen "Steckbriefen" versehen, die jeden Inhaltsstoff penibel auflisten - vom Kaloriengehalt über Fette und gesättigte Fettsäuren über Kohlehydrate, Zucker, Salz und Eiweiß.

Die Angaben sollen vergleichbar sein und müssen deshalb alle einheitlich pro 100 Gramm oder 100 Milliliter aufgeführt werden. Alle Vorschriften gelten natürlich auch für Produkte, die über das Internet angeboten werden. "Unser Verhandlungsergebnis kann sich wirklich sehen lassen", sagt die Fachfrau der konservativen EVP-Fraktion in der Volksvertretung, Anja Weisgerber.

Sogar Schriftgrößen sind geregelt

Das sehen auch die Verbraucherschützer so. "Ein guter Schritt nach vorne", heißt es in deren Stellungnahmen. Schließlich sollen die neuen Vorschriften der Union auch Imitate deutlich entlarven. Ob eine Pizza mit Käse belegt wurde oder nur mit Analogmasse, soll der Kunde deutlich auf der Verpackung ablesen können. Und auch "aus Fleisch- oder Fischstücken zusammengefügte" Produkte dürfen nicht länger wie bisher als Schinken oder Fisch verkauft werden.

Wie wenig man den Lebensmittel-Herstellern im Umgang mit der Wahrheit über den Weg traut, zeigen die Vorgaben für die Beschriftung: Die Schrift soll nämlich mindestens 1,2 Millimeter groß sein (als Maßstab gilt das kleine "x"), sogar den Kontrast zwischen farbigem Hintergrund und Info-Tabelle hat Brüssel geregelt.

Zu den Fortschritten gehört auch, das fortan alle Fleischsorten einen Nachweis über ihre Herkunft tragen müssen - ähnlich wie bisher schon Obst und Gemüse. Ausnahmen von der neuen Kennzeichnungspflicht gibt es lediglich für offen verkaufte Waren wie Wurst, Brot, Brötchen, Obst und Gemüse. Und auch die alkoholischen Getränke, die mehr als 1,2 Prozent Alkohol enthalten, sind von der exakten Kennzeichnung befreit. Wein und Bier müssen also weiter nicht preisgeben, wie viele Kalorien in ihnen stecken. Mit diesen Sonderregelungen wollte die EU vor allem den Bedürfnissen des Mittelstands und des Handwerks Rechnung tragen.

Vorteile bieten die Kennzeichnungsvorschriften vor allem für Allergiker. Deshalb müssen allergene Bestandteile auf dem Mini-Steckbrief auch durch gefettete Buchstaben hervorgehoben werden. Es sei denn, der Produktname verrät schon, dass die Ware entsprechende Substanzen ("Nussschokolade") enthält.

Bis zur großen Revolution im Einkaufsregal wird allerdings noch einige Zeit vergehen. Die Hersteller haben nämlich drei Jahre Zeit, um sich auf mehr Klarheit und Transparenz bei Lebensmitteln einzustellen, Kleinere Unternehmen dürfen sogar noch fünf Jahre warten, um die Änderungen zu übernehmen. Der Grund: Vor allem mittelständische Betriebe ordern die Etiketten oft für mehrere Jahre im Voraus.


>> HINTERGRUND: Nährstofftabelle zur groben Orientierung

Nährstofftabellen auf Lebensmittelverpackungen sollten Verbraucher nur zur groben Orientierung nutzen. Genau auszurechnen, wie viel Zucker nach dem letzten gegessenen Schokoriegel bis zum Abend noch erlaubt ist, gelingt mit den Prozentangaben zum Tagesbedarf nicht. Das sagte Laura Gross von der Verbraucher Initiative in Berlin. „Die Angaben geben nur den Hinweis, ob das eher viel oder wenig ist“, erklärte die Ernährungsexpertin.

Die teilweise sehr umfangreichen Nährstofftabellen auf Lebensmittelverpackungen sind für Verbraucher derzeit schwer zu verstehen. Enthält ein Schokoriegel zum Beispiel 25 Prozent des empfohlenen Tagesbedarfs an Fett, sollte die Frage an sich selbst lauten: „Werde ich denn auch ein Viertel des Tages davon satt?“ Verbraucher sollten auch immer berücksichtigen, dass die Bezugsgröße nur ein Durchschnittswert ist: Leistungssportler brauchen mehr als Stubenhocker.

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