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Werkverträge : Stammpersonal unter Druck

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Gewerkschaft: Schlechtere Bedingungen in jeder zweiten Werkvertragsfirma. Arbeitgeber weisen Kritik zurück

svz.de von
erstellt am 08.Okt.2015 | 08:00 Uhr

Teilweise schlechtere Lohn- und Arbeitsbedingungen als das Stammpersonal und weniger betriebliche Mitbestimmung: Norddeutschlands Unternehmen nutzen häufiger Werkverträge und vergeben Aufgaben an Externe. Von Werften bis zu Handwerksbetrieben: Inzwischen werden in drei Viertel der Unternehmen in der Metall- und Elektroindustrie Arbeiten auf Grundlage von Werkverträgen ausgelagert, ergab eine gestern von der IG Metall Küste vorgestellten Umfrage unter 300 Betriebsräten. Betroffen seien auch Kernbereiche wie die Produktion, Montage sowie Forschung und Entwicklung. Dabei „missbrauchen Firmen Werkverträge immer öfter zu Lohndumping“, kritisierte IG-Metall-Bezirksleiter Meinhard Geiken: „Mit dieser Spaltung der Belegschaften muss Schluss sein.“ So beobachtete mehr als die Hälfte der Betriebsräte schlechtere Arbeits- und Lohnbedingungen in Werkvertragsfirmen. In jedem fünften Betrieb hat die Vergabe von Werkverträgen demnach zugenommen. 18 Prozent der Betriebsräte gab an, dass Stammarbeitsplätze ersetzt worden seien.

Die Tendenz wollen die Metall-Arbeitgeber indes nicht erkennen: Es gebe keinerlei glaubhafte Belege, dass der Missbrauch von Werkverträgen zunehme und die Stammbelegschaft verdränge, hielt Nordmetall-Chef Nico Fickinger entgegen. Vielmehr sei das Stammpersonal Verbandsangaben zufolge bundesweit seit 2010 um 360 000 Beschäftigte gestiegen. Auch die Löhne hätten seit Mitte 2014 um 3,5 Prozent zugelegt – nach eigenen Angaben in ganz Norddeutschland auf durchschnittlich 4628 Euro in Auftraggeber- als auch Zulieferbetrieben. Allerdings: Erst im Frühjahr kam eine Nordmetall-Umfrage selbst zu dem Ergebnis, dass fast jedes zweite Unternehmen Werkverträge schließe. Zudem gab fast ein Drittel der Firmen an, dass geringere Löhne der Werkvertragsarbeiter ein Grund für ihre Bestellung seien. Fickinger meinte seinerzeit dennoch, dass ein „möglicherweise geringerer Stundenlohn“ für die Firmen nur eine „untergeordnete Rolle“ spiele. Die Ergebnisse der Nordmetall-Umfrage aus dem Frühjahr bewerte ein Sprecher gestern denn nur noch als „Stichprobe“.

Indes hat die neue Umfrage die Auseinandersetzung um Werkverträge wieder verschärft. Dabei halten sowohl Arbeitgeber als auch Gewerkschaften Werkverträge für die Grundlage einer arbeitsteiligen Wirtschaft. Gewerkschaften warnen aber vor Missbrauchsfällen, Lohndrückerei in ausgegliederten Unternehmensbereichen. Auffällig: Je dichter die von Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles (SPD) für Herbst angekündigten gesetzliche Neuregelung gegen den Missbrauch von Leiharbeit und Werkverträgen rückt, je heftiger finden die Sozialpartner zu alter Kampfrhetorik zurück. Arbeitgeber missbrauchten Werkverträge, wettert die IG Metall angesichts der Umfrageergebnisse. Nordmetall konterte und sprach von Verunglimpfung und vom plumpen Versuch der IG Metall, „mittels einer grundlosen Skandalisierung Mitglieder zu werben.“ Werkverträge sind Nordmetall-Chef Fickinger zufolge eine „ganz normale Arbeitsteilung, die zu Fortschritt und Wohlstand führt“. 

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