Start der Serie: Krankenhäuser in MV : Spezialklinik für herzkranke Diabetiker

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Modernste Technik steht im Herzkatheterlabor zur Verfügung.klinikum

Das Klinikum Karlsburg hat sich auf die Behandlung herzkranker Diabetiker spezialisiert. Heute startet unsere Krankenhaus-Serie. Dabei lesen Sie jede Woche wissenswertes zu den 37 Akutkrankenhäusern des Landes.

svz.de von
08. Januar 2013, 10:02 Uhr

Dass in ihrem Schloss einmal Kranke behandelt werden würden - das hätten sich die Herren von Bismarck-Bohlen nicht träumen lassen. Seit 1773 steht es in Karlsburg, gut 20 Kilometer südöstlich von Greifswald. Nach dem 2. Weltkrieg beschloss die damalige Landesregierung von Mecklenburg-Vorpommern, das Barockgebäude als Diabetikerheim zu nutzen - dem zweiten im Land nach Garz auf Rügen. Denn dass zuckerkranke Menschen besondere medizinische Behandlung brauchen, das wussten die Ärzte schon lange. Der Greifswalder Wissenschaftler Prof. Gerhardt Katsch war einer ihrer Vorreiter - heute ist die Klinik nach ihm benannt. 1950 machte der Ministerrat der DDR Karlsburg zum Institut für Diabetes-Forschung und -Behandlung. Später war es sogar assoziierte Klinik der Welt-Gesundheitsorganisation WHO. 1994 erweiterte die Hamburger Dr. Guth-Gruppe das Spektrum um Herzchirurgie und Kardiologie, denn es fehlten im Land Behandlungsmöglichkeiten für Herzerkrankungen. Außerdem ist diese Kombination besonders sinnvoll, weil Diabetiker oft auch unter Herzproblemen leiden.

"Sie sterben nicht an ihrer Zuckerkrankheit, sondern an den Komplikationen nach Herzoperationen", sagt Prof. Wolfgang Motz, Ärztlicher Direktor in Karlsburg. "Woanders wird entweder der Diabetes behandelt oder das Herz - wir machen beides parallel."

Über die Jahre wurde das Klinikum immer wieder erweitert und modernisiert, sodass es heute in ganz Deutschland nur eine weitere Klinik gibt, die sich mit Karlsburg vergleichen kann - in Nordrhein-Westfalen.

Der Schwerpunkt in der Kardiologie liegt bei den Herzklappen-Erkrankungen. Prof. Motz erklärt das Besondere: "Die Aortenklappe zum Beispiel reguliert den Blutstrom vom Herzen in den Körper. Sie kann jedoch verkalken oder sich entzünden. Das könnte man mit einer konventionellen Operation beheben, indem man den Brustkorb öffnet. Man kann eine neue Herzklappe aber auch über Stents einführen, was für den Patienten wesentlich schonender ist."

Stents sind winzige Implantate, die verkalkte Gefäße aufweiten und den Blutdurchfluss wieder ermöglichen. Hier wird die Herzklappe auf einen Ballon aufgefaltet, im Stent befestigt und über einen Katheter eingeführt. Bei der Öffnung des Ballons wird der Stent im Gefäß fixiert und die Herzklappe entfaltet.

"Das Besondere ist, dass diese OPs bei uns fachübergreifend von Kardiologen und Herzchirurgen gemeinsam durchgeführt werden", sagt Prof. Motz. Allein im vergangenen Jahr wurden rund 200 Patienten auf diese Art behandelt.

Ein zweiter Schwerpunkt der Karlsburger Spezialisten liegt in der Behandlung von Herzkranzgefäßen. Die versorgen das Herz mit Blut - sind sie verengt, kommt es zum Herzinfarkt. Um das zu vermeiden, kann man wiederum Stents einsetzen. Inzwischen gibt es sogar welche, die sich mit der Zeit auflösen.

"Dieses Verfahren kann man noch nicht bei jedem anwenden, die Implantate werden immer weiterentwickelt", so Prof. Motz. "Aber es gibt auch andere Behandlungsmethoden, etwa mit winzigen Ballons, die Medikamente freisetzen wie bei beschichteten Stents."

In den vergangenen Jahren wurde die Klinik technisch komplett entkernt und mit modernsten Apparaten ausgestattet. Trotzdem würde Prof. Motz am liebsten schon wieder anbauen. "Wir liegen bei 100 Prozent Auslastung", sagt der Ärztliche Direktor. "Darüber freuen wir uns, denn wir behandeln nur wenige Notfälle. Das bedeutet, wir müssen so gut sein, dass die Menschen von sich aus zu uns kommen. Das ist das Werk der Ärzteteams, der Schwestern, der Küche, des Reinigungsdienstes - eben aller, die hier arbeiten."

Die meisten Kranken kommen aus Mecklenburg-Vorpommern, viele auch aus angrenzenden Bundesländern. Gelegentlich sind ausländische Patienten dabei, zum Beispiel aus Russland.

Steckbrief

Betten: 236

Personal: 450

Patienten pro Jahr: 8500

Spezialgebiete: Herz-, Thorax- und Gefäßchirurgie, Kardiologie, Angiologie, Erwachsenen- und Kinderdiabetes

Tel.: 038 355 - 700

Internet:http://www.drguth.de/klinikum-karlsburg

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