zur Navigation springen

STRALSUND : Spektakulärer Stahlbau aus MV

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Stralsunder Firmen Ostseestaal und Formstaal bauen komplexe Teile für Megayachten, Flugzeuge und Co . Ihr neues Projekt: ein Bahnhof für Arnheim.

Wie ein Riese überragt die große Schiffbauhalle der insolventen Stralsunder Volkswerft das Firmengelände der beiden Stahlbaufirmen Ostseestaal und Formstaal. Doch während auf dem Werftgelände die Arbeiten weitgehend ruhen, werden auf dem Nachbargelände tonnenschwere Stahlkomponenten geschweißt, geschnitten und gepresst. Die Unternehmen haben sich aus der Abhängigkeit der Schiffbaubranche lösen können. „Wir haben es geschafft, die Abhängigkeit vom Schiffbau von 100 auf 50 Prozent zu reduzieren und durch andere Auftragsfelder ausgleichen zu können“, sagt Ostseestaal-Prokurist und Formstaal-Geschäftsführer Thomas Kühmstedt.

Derzeit entsteht auf dem Gelände der beiden Firmen eine 510 Tonnen schwere Dachkonstruktion für den neuen Hauptbahnhof in der niederländischen Stadt Arnheim. Die Komponenten für das extravagant geschwungene Stahldach sollen im Herbst nach Arnheim geliefert werden, sagt Projektleiter André von Oehsen. Auftraggeber für den ungewöhnlichen Architekturbau ist die Niederländische Bahn. Das Auftragsvolumen liegt im einstelligen Millionenbereich.

Mit der Brücke der Marina Hotels über der Formel 1-Strecke in Abu Dhabi (2009), dem Porsche Pavillon in Wolfsburg (2012) oder dem National Convention Centre in Doha (Qatar/2009) haben sich die Stralsunder einen Namen gemacht. Aus den kühnen Architekturentwürfen konstruieren die Ingenieure und Planer Bauteile, die herstellbar, zerlegbar und transportierbar sind. „Der Kunde will, dass es schön aussieht, wir packen das Projekt dann in technische Normen und bauen es.“

Im Jahr 2000 begann Ostseestaal – Tochter der niederländischen Central Industry Group – in Stralsund mit der Produktion von kompliziert gebogenen, kaltgepressten Stahlbaukomponenten für den Schiffbau. Gezielt hatte das Unternehmen damals die Nähe zur Volkswerft gesucht und in ihr über Jahre auch einen verlässlichen Partner gehabt. Allein zehn Prozent des Auftragsvolumens kamen früher von der Stralsunder Werft, wie Kühmstedt berichtet. Die Fähigkeiten der Stralsunder waren bereits damals auf anderen Werften in den Niederlanden, Polen, Russland oder auch in Asien gefragt. Durch neuartige Technologien sei das Unternehmen weltweit konkurrenzfähig, sagt Ostseestaal-Manager Michael Schulze. „Wir können dadurch deutsche Qualität zu polnischen Preisen anbieten.“

Doch mit Beginn der Schiffbaukrise steuerte das Unternehmen um und suchte sich Auftraggeber, die ebenfalls komplexe geformte Stahlbausegmente benötigen. „Ein Hocker kann auf drei Beinen auch besser stehen als auf einem“, sagt Schulze. AIn Stralsund sind heute rund 150 feste Mitarbeiter beschäftigt, daneben je nach Auftragslage zwischen 20 bis 50 Leiharbeiter. „Eine gesunde Größe“, sagt Manager Schulze. Der Umsatz liege bei rund 25 Millionen Euro im Jahr. Während Ostseestaal die Stahl- und Alubleche zuschneidet und verformt, werden in dem Nachbarunternehmen Formstaal die Komponenten zusammengeschweißt. Ostseestaal und Formstaal sind inzwischen im Komponentenbau für die Offshore-, Flugzeug- und Windkraft-Industrie aktiv. Zu den Kunden gehören u.a. Airbus, Boeing – oder auch Nordic Yards. Die Übernahme der Volkswerft durch Nordic Yards begrüßt Ostseestaal. Die Stralsunder Metallbauer erhoffen sich dadurch ein intensiveres Miteinander und neue Aufträge.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen