Offshore-Windpark : Spanier ankern vor Ostseeküste

Baltic I und II, Wikinger: Die drei Ostsee-Windparks können künftig fast 800 000 Haushalte mit Strom versorgen.
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Baltic I und II, Wikinger: Die drei Ostsee-Windparks können künftig fast 800 000 Haushalte mit Strom versorgen.

Iberdrola-Konzern treibt Bau des Offshore-Windparks Wikinger vor Rügen voran / Arbeit für heimische Firmen

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18. Dezember 2013, 00:35 Uhr

Das bringt Arbeit in den Nordosten: Für den Bau des 1,5 Milliarden Euro teuren dritten Windpark in der Ostsee hat die Auftragsvergabe begonnen. Der spanische Energiekonzern Iberdrola will 2016 im 34 Quadratkilometer großen Wikinger-Park 30 Kilometer nordöstlich vor Rügen mit dem Aufbau von 80 Offshore-Windkraftanlagen beginnen, kündigte Iberdrola-Deutschlandchef Jürgen Blume gestern gegenüber unserer Redaktion an. Nach der Einigung in der Großen Koalition in Berlin bleibe es bei dem Zeitplan, den Windpark 2017 ans Stromnetz anzuschließen: „Wir gehen von Planungssicherheit aus.“

Im Frühjahr hatte die von Ex-Umweltminister Peter Altmaier und Ex-Wirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP) angezettelte Debatte um eine Strompreisbremse hatte in der Branche zu Verunsicherung geführt und Milliardeninvestitionen in Gefahr gebracht. In der Nordsee waren daraufhin sieben Offshore-Projekte auf Eis gelegt worden. Auch die bei den Koalitionsverhandlungen zunächst erwogenen Kürzungspläne zu Lasten der Offshore-Anlagen sorgten für Ärger. Inzwischen haben sich die Wogen geglättet: „Wir gehen davon aus, dass sich die Rahmenbedingungen nicht ändern“, sagte Blume.

Plattformen, Fundamente, Kabelsysteme, Netzanschlüsse: Mit allen großen Lieferanten stehe man derzeit in Verhandlungen. Dabei lege Iberdrola Wert darauf, dass Unternehmen der Region einbezogen würden, sagte Blume ohne konkrete Firmen zu nennen. In der Branche geht man aber davon aus, dass sich beispielsweise sowohl die beiden Nordic-Werften in Wismar und Warnemünde als aber auch das Schweriner Kabelwerk an dem Milliarden-Auftrag beteiligen könnten. Im kommenden Jahr sollen die Aufträge erteilt werden, sagte Blume. Die Windkraftanlagen hingegen werden von dem zu einer französischen Firmengruppe gehörenden Anlagenbauer Areva geliefert. Die Investition lohnt: Etwa 2000 Jobs hingen an dem Projekt, meinte Blume. Am künftigen Basishafen in Sassnitz sollen 100 neue Arbeitsplätze geschaffen werden. Das Gelände des Fährhafens will Iberdrola auch zur Vormontage der Anlagen nutzen. Ein entsprechender Vertrag mit der Hafengesellschaft war bereits im Sommer unterzeichnet worden. Nach der u. a. durch die Öko-Stromabgabe der Kunden gezahlte Anschubfinanzierung soll das Projekt künftig die öffentlichen Kassen klingen lassen: 650 Millionen Euro würden in den kommenden 20 Jahren an Steuern und Abgaben gezahlt, sagte Blume.

Der im Eurozonen-Leitindex EuroStoxx notierte und in Streubesitz befindliche Konzern will es wissen: 1,5 Milliarden Euro stecken die Spanier in den Wikinger-Windpark nordöstlich vor Rügen. „Das größte Einzelprojekt des Konzerns“, meint Blume. Mit dem Leistungspotenzial des Offshore-Park von 400 Megawatt könnte fast ein Kohlekraftwerk ersetzt werden. Bislang seien bereits 50 Millionen Euro in die Planung gesteckt worden. Drei Jahre Umweltuntersuchungen: „Das kostet“, meinte Blume. Doch Iberdrola erhofft sich damit den Durchbruch auf dem deutschen Öko-Strommarkt. „Das ist der Einstieg“, sagte Blume. Bislang habe der 30 000 Mitarbeiter zählende Konzern mit einem Jahresumsatz von 31 Milliarden Euro vor allem in Spanien, in Großbritannien und den USA Anlagen zur erneuerbaren Stromproduktion errichtet. In der irischen See sei gerade ein neuer Offshore-Windpark in Betrieb gegangen, sagte Blume. Inzwischen denkt Iberdrola über weitere Projekte in der Ostsee nach: Bis 2020 solle die Offshore-Leistung auf 1000 Megawatt erweitert werden, erklärte Blume.

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