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Photovoltaik : Sonnenfallen auf Kirchendächern?

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Photovoltaikanlagen für historische Gebäude im Land sind umstritten. Die Nordkirche will Beitrag zur Energiewende leisten.

Balkonblumen blühen auf St. Nikolai in Rostock. Schon seit den 1980er- Jahren gibt es dort oben unterm Kirchendach Wohnungen, der Platz bis zum Dachfirst wird von Sonnenkollektoren eingenommen. Ein gutes Beispiel für andere Gotteshäuser im Land? Propst Wulf Schünemann in Rostock befürwortet solche Lösungen, allerdings nur dort, wo es passt.

„Wir wollen auch unseren Beitrag zur Energiewende leisten. Deshalb betreiben wir seit Januar gemeinsam mit dem Energieversorger Wemag das sogenannte Kirchliche Energiewerk.“

Die Nordkirche, zu der auch Mecklenburg gehört, will ihre CO2-Emissionen bis 2050 fast völlig auf null bringen. Neben Windkraftanlagen auf kircheneigenem Land können dazu auch Solarzellen auf Dächern beitragen. Die meisten Mitglieder der Synode, also des Kirchenparlaments, unterstützen solche Lösungen, sagt Schünemann. „Manche allerdings finden auch, man solle wirtschaftliches Tun anderen überlassen. Ich bin der Meinung, man sollte immer gut abwägen, insbesondere im Hinblick auf den Denkmalschutz, und nach Kompromissen suchen.“

Weiter wies der Propst darauf hin, dass Kirchengemeinden eigenständig seien und Entscheidungen etwa über Solaranlagen auf ihren Gebäuden selbst fällen würden. Etwa 50 solcher Anlagen gibt es inzwischen auf kircheneigenen Gebäuden in Mecklenburg. Eine der größten wurde schon vor 13 Jahren auf der Hagenower Stadtkirche installiert. Und als die Kirche in Zernin bei Bützow ein neues Dach brauchte, wurde es komplett als Photovoltaikanlage konzipiert – sinnvoll, wenn so durch gut gemachte Architektur ein Stück wirtschaftliche Zukunftsfähigkeit entsteht, meint Joachim Brenncke, Präsident der Architektenkammer Mecklenburg-Vorpommern. In anderen Fällen jedoch sieht er die Identität des Landes in Gefahr.

„Wir schöpfen sie in vielerlei Hinsicht aus der Architektur: Backsteingotik, Bäderarchitektur, Gärten und Parks – das heißt, Geschichte ist uns wichtig. Und auch viele Touristen kommen deswegen hierher.“

Er meint, es gäbe genug andere Flächen, die sich für neue Arten der Stromgewinnung eignen. Auf keinen Fall dürfe Eigentümern bei der Installation von Solaranlagen freie Hand gelassen werden.

„Das lässt sich über Kirchen hinaus auf historische Gebäude jeder Art ausweiten“, so der Schweriner Architekt. „Es kommt immer auf die Umgebung des Gebäudes an. Auch auf manch denkmalgeschütztem Haus halte ich Photovoltaik für möglich. Unter anderem spielt eine Rolle, wie viel von der Anlage zu sehen ist.“

Denn solche Veränderungen würden die Stadtbilder ganz erheblich beeinflussen, meint Brenncke, und verdienten deshalb besondere Sorgfalt.


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