Landwirtschaft : Sölle stark mit Pestiziden belastet

Chemiecocktail im Boden und in den Gewässern: Proben in MV mit teil kritischen Konzentrationen an Agrochemikalien.
Chemiecocktail im Boden und in den Gewässern: Proben in MV mit teil kritischen Konzentrationen an Agrochemikalien.

Umweltverbände und Grüne finden krebserregende Substanzen in Gewässern auf Feldern.

svz.de von
10. November 2015, 21:00 Uhr

Selbst in Naturschutzgebieten von europäischer Bedeutung finden in Mecklenburg-Vorpommern immer wieder Agrochemikalien in Größenordnung Anwendung, die als gesundheitsschädigend gelten. Das beklagen Umweltverbände und die Landtagsfraktion der Bündnisgrünen, die dazu am Dienstag eine Studie veröffentlichten.

Im Ergebnis der Untersuchung von 15 Kleingewässern und Söllen wurden in zwölf Gewässern chemische Substanzen aus Pflanzenschutzmitteln in teils kritischen Konzentrationen festgestellt. Am häufigsten fanden die Experten Abbauprodukte des Breitbandherbizids Glyphosat, das inzwischen von der Weltgesundheitsorganisation als krebserregend eingestuft wurde. Es kam in 10 Gewässern vor. Glyphosat selbst wurde in vier Gewässern nachgewiesen. In zwei Gewässern fand sich die seit 14 Jahren verbotene Substanz Dinoterb. Dinoterb wurde früher zum Pflanzenschutz gegen Nagetiere eingesetzt, ist aber inzwischen als gesundheitsgefährdend bei Menschen eingestuft. Woher es kommt, sei im Nachhinein nicht mehr feststellbar. Dieser Einsatz von Pflanzenschutzmitteln bedroht nach Ansicht von BUND, Nabu und Anglerverband sowie der Grünen nicht nur die Existenz seltener Tiere, sondern gefährdet auch die Gesundheit des Menschen. „Selbst bei bestimmungsgemäßer Anwendung sind Schädigungen von Pflanzen und Tieren nicht auszuschließen“, sagte die Grünen-Landtagsabgeordnete Ursel Karlowski. Sie will in der nächsten Landtagssitzung einen Antrag einbringen, mit dem die Zulassung des umstrittenen Wirkstoffs Glyphosat befristet ausgesetzt werden soll. Deutsche Behörden schätzen laut Karlowski die Gesundheitsgefahren bislang geringer ein als die WHO. „Bis diese Frage geklärt ist, sollte es ein Moratorium geben“, warb die Oppositionspolitikerin.

Drastischer noch die Befürchtungen des Naturschutzbundes: „Eine Studie der Universität Landau erbrachte die Erkenntnis, dass die Pestizide, selbst wenn sie in den amtlich erlaubten Dosierungen, bis zu 100 Prozent der Amphibien töten. Deshalb brauchen wir in FFH-Gebieten entweder das Verbot von synthetischen Pflanzenschutzmitteln oder die alleinige Etablierung des ökologischen Landbaus, der auf synthetische Pflanzenschutzmittel verzichtet“, so die Forderung von Rica Münchberger, Landesgeschäftsführerin des Nabu. Die in den Söllen lebende Rotbauchunke sei im Nachbarland Schleswig-Holstein schon völlig verschwunden, berichtete Münchberger.

Agrar- und Umweltminister Till Backhaus (SPD) versicherte in einer Mitteilung, dass er die Belastung von Gewässern mit Pflanzenschutzmitteln sehr ernst nehme und regelmäßig Prüfungen vornehmen lasse. „Auch wir mussten feststellen, dass die Befundhäufigkeit hoch ist und hier Defizite vorhanden sind“, räumte Backhaus ein. Das Ministerium fördere daher Landwirte, „die an breit angelegten Agrarumweltmaßnahmen auf freiwilliger Basis teilnehmen wollen“. Die Umweltverbände halten eine freiwillige Mitarbeit für wirkungslos. Sie fordern schärfere Kontrollen.

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