Nostalgie : „So roch es früher in Apotheken“

Kennt sich aus mit den DDR-Präparaten: Sabine Bernert vom Apothekenmuseum in Cottbus
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Kennt sich aus mit den DDR-Präparaten: Sabine Bernert vom Apothekenmuseum in Cottbus

Cottbuser Museum sammelt Pillen, Säfte und Salben aus DDR-Zeiten / Ein Ausstellungsstück im Film „Das Leben der Anderen“ zu sehen

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25. Juli 2014, 12:00 Uhr

Die Tür öffnet sich, ein strenger Geruch steigt in die Nase. Arzneimittel – Chemie – Zahnarztpraxis. „So roch es früher in DDR-Apotheken“, sagt Sabine Bernert. Das Brandenburgische Apothekenmuseum in Cottbus sammelt DDR-Medikamente. Eine der Verpackungen soll sogar schon Requisite in einem Oscar-prämierten Film gewesen sein. Der Geruch spaltet, weiß Mitarbeiterin Bernert von Besucherführungen. Museumsleiterin Annette Schiffner sagt das auch: „Ältere Besucher, die in der DDR lebten, sagen: ,Ah, mein altes Fußspray’ oder ,so hats früher in meiner Apotheke gerochen’“ Und die Jungen? „,Igitt, hier stinkts’“

Nach Retro sieht es in dem Zimmer im ersten Stock eines Hinterhauses aus. Holzmöbel im 1960er-Look, hinter den Glasscheiben sind Hunderte Verpackungen mit Tabletten, Salben und Säften zu sehen. Den Raum im Museum gibt es laut Schiffner seit 2005. An der Wand hängt ein beleuchtetes Schild. „Dienstbereitschaft. Bitte klingeln und warten!“ Das kleine Museum ist stolz darauf, die rund 750 Medikamente in einer originalen Apotheken-Inneneinrichtung aus DDR-Zeiten zu präsentieren.

„Wir wollen zeigen, dass die Arbeit von Apothekern eine hochwertige und fachlich sehr fundierte war“, sagt Schiffner. Sie schmunzelt, als sie eine Pillenverpackung in die Hand nimmt: „Ich weiß bei einigen Medikamenten sogar noch die Preise auswendig.“ Sie lernte selbst in einer Ost-Apotheke ihr Handwerk.

Gezeigt wird auch eine vergilbte Zeitschrift „Durch Volksgesundheit zur Leistungssteigerung“. In dieser Ausgabe geht es um „Die Sexualität im Blickfeld des Arztes.“ In einer Vitrine ist zu erfahren, dass Darmregulierungs-Perlen und Mistel-Perlen „zur Hebung des allgemeinen Wohlbefindens“ gedacht waren.

Was ist das Typische an DDR-Apotheken? Der Direktor des Instituts für Pharmazie-Geschichte an der hessischen Philipps-Universität Marburg, Christoph Friedrich, nennt ein Phänomen: „Anders als in der BRD gab es pro Präparat und Wirkstoff jeweils nur einen Hersteller.“ Konnte der nicht liefern, sei es immer wieder zu Versorgungslücken gekommen – vor allem zum Ende der DDR hin. „Dafür zeigten die Apotheker sehr viel Eigeninitiative, überlegten sich Alternativen und stellten selbst Arzneimittel im Defekturmaßstabe her.“ Das bedeutet, dass sie in größeren Mengen produziert wurden. Friedrich schätzt die Zahl der Arzneien in einer durchschnittlichen DDR-Apotheke auf rund 2000. Das Cottbuser Apothekenmuseum geht von etwa 2500 aus. Zum Vergleich: „In der BRD gab es schätzungsweise 80 000 Präparate“, sagt der Professor. Auch die Apothekendichte sei in der DDR viel geringer gewesen. Auf ein Ausstellungsstück ist Schiffner besonders stolz – es ist ein Mittel gegen Depressionen in einer rot-weißen Verpackung. Das habe eine besondere Geschichte hinter sich, sagt sie. „Es lag schon in den Händen von Schauspielerin Martina Gedeck – im Film ,Das Leben der Anderen“. Das Werk von Florian Henckel von Donnersmarck über ein Paar in der DDR wurde 2007 mit einem Oscar ausgezeichnet.

Bis auf 26 Privatapotheken seien in der DDR alle staatlich gewesen, sagt Friedrich. Heute sei das Sortiment bis auf wenige Ausnahmen vom Markt verschwunden. Und was sonst noch typisch war in DDR-Apotheken? „Lange Schlangen.“


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