zur Navigation springen

Nestlé-Werk öffnet : Schwerin ist Kaffee-Stadt

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Zwei Jahre Bauzeit, bis zu 450 neue Jobs, Millionen-Aufträge für die Region: Nestlé öffnet in Schwerin größte Konzerninvestition seit 25 Jahren

svz.de von
erstellt am 05.Sep.2014 | 20:45 Uhr

Harald Stut kennt das Los vieler: Mit mehreren Jobs hielt er sich über Wasser, erzählt der gelernte Tierwirt. Immer wieder neue Chefs: „Doch endlich mal etwas Festes, einen Arbeitsplatz, der einem Sicherheit geben kann“ – lange war nichts in Sicht. Die Arbeit im Stall – sieben Jahre habe er dort gearbeitet. Doch, „das war nicht mehr so mein Ding“, erklärt der junge Mann aus Grevesmühlen. Dann verschiedene Jobs, Arbeitslosigkeit, nachdem ihn der Chef einer Rohrreinigungsfirma wegen Mangel an Aufträgen entlassen musste. Seit Mai schöpft Stut wieder Hoffnung: Seit der 28-Jährige im neuen Kaffeekapselwerk des Nestlé-Konzerns einen neuen Job gefunden hat – nach dreimonatiger Qualifizierung mit Unterstützung der Arbeitsagentur Arbeit in einem Weltkonzern, „das geht runter wie Öl“, sagt er. Ohne Nestlé hätte er einen solchen Jobs nicht gefunden, „das gibt Sicherheit“, ist Stut stolz – an einer der künftig zwölf Maschinenlinien, die das Werk Schwerin zu einem der größten Hersteller Europas macht.

Wie seine 172 Kollegen auch: Die allermeisten kommen aus der Region, nicht mehr als 30 Kilometer entfernt, viele jünger als 30, einige älter als 50 , zur Arbeit ins neue Werk – Nestlés bisher bedeutendste Einzelinvestition des Konzerns in Deutschland, die gestern offiziell in Betrieb ging. „Das ist die größte Einzelinvestition des Konzerns in Deutschland“, erklärte Nestlé-Deutschlandchef Gerhard Berssenbrügge gestern zum Produktionsstart. Nach zwei Jahren Bauzeit, Investitionen von 220 Millionen Euro sei in Mecklenburg ein Werk entstanden, „das Schwerin an den weltweiten Kaffeemarkt anschließt“.

Kaffeemetropole Schwerin: Seit Mai lief bereits die Testproduktion, seit gestern laufen die ersten vier Anlagen auf vollen Touren. In sieben Minuten geröstet, bei bis zu 220 Grad – je nach Rezeptur: Künftig würden bis zu zehn Millionen Kapseln täglich hergestellt, kündigte Bersenbrügge an – mehr als zwei Milliarden im Jahr. Kapsel, die aus bis zu sieben Elementen bestehen, mit Kaffee aus Brasilien, Kolumbien oder Ecuador, der in Schwerin in sieben Minuten vom Kaffeelager bis in die Kapsel gelangt. Fünf verschiedene Sorten laufen derzeit vom Schweriner Band, mit dem Aufbau von vier weiteren Linien 2015 und 2016 sollen es künftig zehn sein.

Mit dem Werk hat der Nahrungsmittelkonzern in Mecklenburg aber auch ein Werk auf die grüne Wiese gestellt, das für Abwechslung in der schnöden Industriearchitektur sorgt: Viel Glas, viel Licht, viel Transparenz, eine begrünte Dachterrasse, Lichtbänder im Dach, verglaste Wände – „sieben Fußballfelder großes transparentes Werk mit viel nachwachsenden Baustoffen errichtet, mit einer Wärmeanlage, die die Restwärme des Röstprozesses nutzt, wie Bersenbrügge erklärt, ein offen konzipierter Industriebau des Münchner Architekturbüros, das schon in der Autofabrik Wolfsburg und in der Gläsernen Autofabrik in Dresden für Aufsehen sorgte. „Die Dachterasse vermittelt ein bisschen Hotelatmosphäre“, meinte ein Besucher gestern.

Kaffeezeit in Mecklenburg: Sieben Tage die Woche, in vier Schichten – Kaffeekapseln für die Welt, zumindest für Deutschland, Osteuropa und Skandinavien. Nach Pfanni und Oetker: Mit Nestlé sei „ein weiterer Global Player der Ernährungswirtschaft“nach MV gekommen, warb Ministerpräsident Erwin Sellering (SPD) für den Investitionsstandort. Das zieht an: Mit der Ansiedlung Nestlés gebe es weitere Investoren, die sich für den Standort interessierten, fügte Wirtschaftsminister Harry Glawe (CDU) hinzu. Die Ernährungswirtschaft habe sich in MV zum Jobmotor entwickelt. „Es sind seit der Wende über 9000 neue Arbeitsplätze entstanden, über 23 300 Arbeitsplätze werden gesichert“, rechnete Glawe vor.

Auch bei den mit Umsatzrückgängen kämpfenden Baufirmen in der Region: 80 Millionen Euro habe allein der Bau gekostet, rechnet Werkleiter Jens Erhardt. 50 Millionen hätten sich Firmen aus Mecklenburg-Vorpommern verdient. Für Nestlé ein lohnendes Investment: Der Konzern verspricht sich zweistellige Zuwachsraten auf dem europäischen Kapselmarkt.

Harald Stut und seinen Kollegen soll es recht sein – sichere Jobs für bis zu 450 Mitarbeiter, die in dem Werk bei vollem Ausbau einmal arbeiten sollen. „Tarifgebundene Arbeitsplätze“, freut sich Ministerpräsident Sellering: „Das ist ein gutes Signal.“ Mit Perspektive für die Beschäftigten und ihre Familien, erklärt Bundesfamilienministerin Manuela Schwesig (SPD). Wie für Harald Stut: „Damit kann man alt werden“, meint er.

Die größten Investitionen in MV

Unternehmen - Investitionen in Mio. EUR - Arbeitsplätze

1 Egger Holzwerkstoffe Wismar GmbH & Co. KG - 362 - 774
2 Liebherr-MCCtec Rostock - 240 - 1030
3 Nestlé Deutschland AG - 221 - 430
4 TRW Airbag Systems GmbH Laage - 201 - 689
5 Dr. Oetker Tiefkühlprodukte GmbH Wittenburg - 179 - 811
6 riha Richard Hartinger Getränke GmbH (alt: Fruchtquell Getränkeindustrie) -166 - 443
7 Nordex Energy GmbH Rostock - 164 - 1126
8 Suiker Uni Anklam (alt: Danisco Sugar GmbH) - 164 - 252
9 EEW Special Pipe Rostock/Lubmin - 150 - 473
10 Tchibo Gallin - 104 - 793
11 Darguner Brauerei - 104 - 263
12 Lieken Brot und Backwaren GmbH Lüdersdorf - 98 - 200
13 Hotel Hamburg-Wittenburg Van der Valk GmbH - 89 - 150
14 Fertigungstechnik NORD GmbH Gadebusch - 86 - 197
15 Sweet Tec GmbH Boizenburg - 85 - 335
16 Weber Maschinenbau Neubrandenburg  81  407
17 Prysmian Group Deutschland (alt: Siemens AG Kabelwerk Schwerin) - 75 - 1033
18 Maplan Maschinenfabrik und Anlagen für Kunststofftechnik Schwerin - 74 - 258
19 Webasto Neubrandenburg GmbH - 73 - 591
20 Schur Pack Germany GmbH Valluhn - 69 - 130

                    Quelle:Wirtschaftsministerium MV

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen