Schweinemast Dargelütz : Schlagabtausch in der Stadthalle

Gegner der Schweinemastanlage Dargelütz protestierten am Dienstag vor der Parchimer Stadthalle gegen Massentierhaltung.  Fotos: Michael Beitien
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Gegner der Schweinemastanlage Dargelütz protestierten am Dienstag vor der Parchimer Stadthalle gegen Massentierhaltung.

Schweinemast-Investor und Gegner von Dargelützer Anlage trafen aufeinander

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17. Dezember 2013, 22:00 Uhr

Gruseliges Bild am Dienstagmorgen vor der Parchimer Stadthalle. Gegner der geplanten Mastanlage in Dargelütz hatten sich Schweinekopf-Masken übergestülpt, um gegen die Massentierhaltung in ihrem Ort zu protestieren. Sie begleiteten damit den am gleichen Tag in der Stadthalle stattfindenden verbalen Schlagabtausch zwischen Investoren und Gegnern einer großen Tierhaltungsanlage. Das Staatliche Amt für Umwelt und Landwirtschaft (StALU), das letztlich über die Genehmigung der Stallanlage mit 15 500 Tieren in Dargelütz entscheidet, hatte zum Erörterungstermin eingeladen. Dabei kamen Bedenken gegen die Mastanlage zur Sprache. Investor und Gegner der Anlage tauschten Argumente und viele juristische Spitzfindigkeiten aus, ohne dass das StALU schon eine Entscheidung fällte. „Wir begleiten nur als Moderator“, erklärte Jean Weiß vom StALU gestern als Leiter des Erörterungstermins.

Der holländische Investor J.A.M. van den Heuvel verfolgten das Prozedere, ließ bei der gestrigen Anhörung in Parchim allerdings vor allem seinen Rechtsanwalt Dr. Helmar Hentschke und Vertreter des Planungsbüros sprechen. „Wir sind guter Dinge, dass wir im Einvernehmen mit der Stadt das Projekt umsetzen können“, so Hentschke vor dem Erörterungstermin. Man habe damit gerechnet, dass es bei dieser Art Anlagen Widerstand gebe. Man stelle sich den berechtigten Einwendungen, wolle offen mit der Situation umgehen und sei guter Dinge.

Anja Ober-Sundermeier vom Planungsbüro Eco-Cert erklärte zum Standort und zu Dimensionen: 900 Meter weit weg von Bergrade Hof, zwei Kilometer von Grebbin und 1,9 Kilometer von Dargelütz entfernt sollen zwei Stallgebäude entstehen mit kombinierter Schweinemast und -aufzucht: Davon sind 9290 Mastplätze und die anderen für Sauen, Jungsauen und Ferkel.

Gegen eine Anlage dieser Dimension machen die Bürgerinitiative Dargelütz und weitere Gegner von Massentierhaltung mobil. Insgesamt 285 Bürger hatten im Vorfeld der gestrigen Erörterung ihrer Einwendungen gegenüber dem StALU vorgebracht. Thema für Thema wurde abgehandelt. Die Bürgerinitiative hatte sich zur Verstärkung den spezialisierten Rechtsanwalt Ulrich Werner aus Berlin ins Boot geholt.

Die Gegner der Stallanlage sind der Auffassung, dass sich das Projekt schon aus dem Grund stoppen lässt, weil der ihm zu Grunde liegende Bebauungsplan der Stadt nicht rechtens ist. Der stehe im Widerspruch zum Raumordnungsprogramm aus dem Jahr 2011. Das wurde bei der gestrigen Anhörung allerdings kontrovers diskutiert.

Mehrere Stadtvertreter verfolgten die Erörterung. Sie hatten sich bei ihrer jüngsten Sitzung auf einen Antrag von Jürgen Gärtner (Grüne) darauf geeinigt, den B-Plan noch einmal auf den Prüfstand zu stellen. Im Januar kommt der Stadtentwicklungsausschuss zusammen, war gestern zu erfahren. Bis dahin soll die Verwaltung ermitteln, welche finanziellen Auswirkungen es haben könnte, wenn Parchim durch Änderung des B-Planes die Schweinemastanlage verhindern würde.

Es habe ein Umdenken in der Stadtvertretung stattgefunden, resümiert Günter Schulze, Sprecher die Bürgeriniitative, die in den vergangenen Wochen mehrere spektakuläre Aktionen gegen den Bau der Mastanlage startete.

Dazu gehörten Demonstrationen in der Kreisstadt und in Schwerin, wo allein 500 Unterschriften gegen die Massentierhaltung gesammelt wurden.

Die gestrige Anhörung war nicht die letzte Möglichkeit, die Schweinemastanlage zu verhindern, so Schulze. Es bleibe noch der Klageweg. Besser sei es aber, im Vorfeld mit den Behörden eine Lösung zu finden.

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