Schlag gegen deutsche Autohersteller?

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12. Juli 2012, 10:25 Uhr

Europas Autos müssen sauberer werden. Die Brüsseler EU-Kommission hat gestern die zweite Runde im Kampf gegen Kohlendioxid in Abgasen eingeläutet. Waren es im Vorjahr noch 137 Gramm CO2, die pro gefahrenem Kilometer in die Luft gepustet wurden, soll dieser Wert – nach einer Zwischenstation bei 130 Gramm im Jahr 2015 – bis 2020 auf 95 Gramm sinken. Auch die Hersteller von Kleintransportern müssen sich anstrengen: Sprinter und Co. dürfen nur noch 147 Gramm. Kohlendioxid (statt derzeit 181,4) emittieren.

EU-Klimaschutzkommissarin Connie Hedegaard verspricht den Verbrauchern sogar eklatante Einsparungen. Schon im ersten Jahr würden die neuen Motoren für und 340 Euro weniger Sprit verbrauchen. Auf ein Autoleben von 13 Jahren gerechnet, sollen es sogar bis zu 3400 Euro werden. „Wir schützen das Klima und helfen den Verbrauchern, Geld zu sparen“, gab sich die dänische Kommissarin optimistisch.
Doch der große Aufbruch zu neuen Grenzwert-Ufern ist heftig umstritten. Zum einen, weil der künftige Grenzwert weder neu noch originell ist. Er findet sich bereits in allen Beschlüssen, die seit langem vorliegen. Zum anderen weil die Kommissarin durch einen rechnerischen Trick die Lasten zwischen den Herstellern auf eine Weise verschiebt, die – so der liberale Europa-Abgeordnete Holger Krahmer – „in Berlin alle Alarmglocken schrillen lassen sollte“.

Der Grenzwert allein sagt nämlich relativ wenig, er dient lediglich als Grundlage bei der Berechnung der Vorgaben für jeden einzelnen Hersteller. So dürfen große und schwerere Fahrzeuge eines Konzerns die Marke deutlich überschreiten, wenn die kleineren Autos des gleichen Autobauers entsprechend weniger CO2 abgeben. Betroffen wären von dieser Korrektur vor allem die deutschen Hersteller schwerer Fahrzeuge wie Daimler, BMW und Audi, während sich die italienischen und französischen Kleinwagen-Produzenten die Hände reiben könnten.

Dabei ist schon die Methode umstritten, Grenzwerte nach dem Fahrzeuggewicht festzulegen. Der CDU-Europa-Abgeordnete und Umweltexperte Karl-Heinz Florenz hält das offen für falsch, „weil dadurch nicht genügend Anreize für Leichtbau entstehen“. Der FDP-Politiker Krahmer rügt gar, dass „große Fahrzeuge schon heute meist effizienter sind als kleine“, weil sich Effizienz aus dem Verhältnis der Motorleistung zum jeweiligen Kraftstoffverbrauch ergebe.

Ein weiter Schlag gegen die Autobauer ist die Herausnahme der Elektroautos bei der Errechnung des Flottenverbrauchs. Bisher konnte ein Hersteller nämlich die Null-Emissionen-Fahrzeuge einbringen und wurde dadurch für laxere Grenzwerte bei Benzinern und Diesel belohnt. Dieses Sonderrecht will Brüssel nun streichen. Ob das Papier der Kommissarin das parlamentarische Verfahren überlebt, ist unsicher. Ministerrat und EU-Parlament müssen dem Vorschlag nämlich zustimmen.

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