Waren : Schiffsschraube aus MV wiegt 113 Tonnen

Gewaltig: In der Mecklenburger Metallguss GmbH (MMG) in Waren arbeitet Winfried Bülow  an einem Schiffspropeller mit einem Durchmesser von 10,30 Metern. Der fünfflügelige Propeller ist der bislang größte der MMG.
Gewaltig: In der Mecklenburger Metallguss GmbH (MMG) in Waren arbeitet Winfried Bülow an einem Schiffspropeller mit einem Durchmesser von 10,30 Metern. Der fünfflügelige Propeller ist der bislang größte der MMG.

Wie können Schiffe sparsamer fahren? Größere Schiffsschrauben, die langsamer laufen, sagen Experten.

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18. Februar 2014, 20:30 Uhr

Vorsichtig positioniert Winfried Bülow die riesige Fräsmaschine. „Damit wird exakt die Öffnung der Schiffsschraube ausgearbeitet, die später auf der Antriebswelle des Schiffes sitzt“, erklärt der Fachmann in der Gießerei Mecklenburger Metallguss GmbH in Waren (Kreis Mecklenburgische Seenplatte). Der nach eigenen Angaben weltweit führende Hersteller solcher Riesen-Schiffsschrauben liefert Ende Februar den neuen Rekordpropeller aus, der schon im Vorfeld für Umbauarbeiten bei Ampeln und Schildern an Straßen bis nach Hamburg sorgt.

Das Bauteil hat fünf Flügel, 10,30 Meter Durchmesser und wiegt 113 Tonnen, sagt Geschäftsführer Manfred Urban. Es sei die erste von sechs Schiffsschrauben für eine italienische Reederei, die knapp 400 Meter lange Containerriesen mit je 18 400 Stellplätzen und 85 000 PS-Motoren damit ausrüsten will. „Der Schiffbau zieht langsam wieder an“, erklärt Urban. Das ist aus MMG-Sicht, die ein Aushängeschild der Essener Deutschen Gießerei- und Industrieholding AG (DIHAG) mit rund 1800 Beschäftigten ist, auch nötig. Nach 90 Millionen Euro Umsatz 2012, wurden 2013 nur 65 Millionen Euro Umsatz erzielt, für 2014 rechnet Urban mit 74 Millionen Euro und für 2015 auf eine weitere Steigerung. Mit monatelanger Kurzarbeit wurde die Schiffbaukrise, wie schon 2008 nach der Finanzkrise, bisher überbrückt.

Doch auf den Neubau wollen sich die Mecklenburger Spezialisten nicht verlassen. „Wir haben ein ganzes Paket geschnürt, das den Reedern Einsparungen bei der bestehenden Flotte bringen soll“, erläutert Urban. Die Umrüstung bestehender Antriebe für mehr Effizienz spiele eine immer größere Rolle. „Die Propeller werden größer, aber nicht schwerer, und die Motoren laufen ein paar Drehzahlen niedriger und optimaler“, sagt der Fachmann. Dabei würden leistungssteigernde Abgasturbolader wieder von den Motoren abgebaut, manchmal auch ein Zylinder der Schwerölmotoren eingespart.

„Das Ganze bringt einen höheren Wirkungsgrad, sodass 20 Prozent Treibstoff – das wäre tonnenweise Schweröl – gespart werden kann.“ Für eine Fahrt von China bis Hamburg kann ein Reeder so 50 000 Euro sparen. Für den Umbau habe MMG ein Messverfahren entwickelt, bei dem die neue Schiffschraube punktgenau auf die bestehende Welle montiert werden kann, was etwa vier Tage dauert.

Die Ausrichtung auf „Retrofit“, wie die Neuausrüstung in der Branche heißt, ist aus Kostengründen nötig. „Wir stehen in hartem Wettbewerb mit drei, vier Gießereien in China, Japan und Südkorea“, erläutert Urban. „Wenn es uns nicht gelingt, durch ,Retrofit’ mehr Aufträge zu holen, müssen wir auch einige der 214 Stellen abbauen“, sagt er. 2014 werden in Waren etwa 110 Propeller für alle Schiffsarten gegossen, man brauche aber 130 bis 140 Propeller im Jahr, um die hochmoderne Gießerei auszulasten.

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