MV Werften : Schiffbau in neuer Dimension

<p>Die Neptun Werft in Warnemünde profitiert  von der großen Nachfrage nach Hochseekreuzfahrtschiffen. </p>
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Die Neptun Werft in Warnemünde profitiert  von der großen Nachfrage nach Hochseekreuzfahrtschiffen.

Bei „MV Werften“ entstehen künftig Sektionen für „Global Class“-Schiffe. Neptun Werft liefert bereits Kernstücke für Cruise Liner

svz.de von
05. September 2017, 12:00 Uhr

In unmittelbarer Nachbarschaft zur Neptun Werft ist kürzlich auf dem 850 000 Quadratmeter großen Gelände von „MV Werften“ in Warnemünde der erste Spatenstich zum Bau einer multifunktionalen Produktionsstätte gesetzt worden. In der 385 Meter langen und 99 Meter breiten Schiffbauhalle 11 werden die Paneelfertigung sowie der Sektionsbau und die Sektionsausrüstung für die neuen „Global Class“-Schiffe (204 000 BRZ) angesiedelt. Mit dem Bau des ersten 340 Meter langen Schiffes dieser Klasse soll im Frühjahr 2018 begonnen werden. Der Hallenneubau auf der Warnemünder Werft stellt den vermeintlichen Auftakt für einen Kreuzschifffahrtsbau neuer Dimension in Mecklenburg-Vorpommern dar.

Doch während die Erdarbeiten für die Schiffbauhalle noch im vollen Gange sind und in den Konstruktionsbüros von „MV Werften“ die „Global Class“-Schiffe erst en détail entworfen werden, wird auf der Neptun Werft nebenan bereits an Mega-Kreuzlinern gebaut. Aktuelles Projekt ist die für AIDA Cruises bestimmte „AIDAnova“. Mit dem Bau des 337 Meter langen Schiffes war die Meyer Werft im niedersächsischen Papenburg beauftragt worden. Die zum Meyer-Verbund gehörende Neptun Werft hat es übernommen, das Maschinenraum-Modul (zweiteilig) der „AIDAnova“ und damit das Herzstück des künftigen Flaggschiffes der Rostocker Kreuzfahrtreederei zu fertigen. Ausschlaggebend dafür ist die Entscheidung des Meyer-Managements von 2015, bei Neptun in Rostock in den kommenden Jahren exklusiv für die Meyer-Werften in Papenburg und Turku (Finnland) komplette Maschinenraum-Module, so genannte Floating Engine Room Units (Feru), herzustellen.

Auf der traditionsreichen Neptun Werft läutete dies einen Kurswechsel ein. Seit dem Jahr 2000 hatte das Unternehmen vorwiegend Flusskreuzfahrtschiffe gebaut. Bis zu 14 Neubauten verließen jährlich die Montagehalle. Die Neptun Werft avancierte zu einem der führenden Hersteller in diesem speziellen Schiffbausegment. „Mit über 65 Flusskreuzern, die die Neptun Werft in den letzten Jahren abgeliefert hat, ist der Markt für Flusskreuzfahrtschiffe recht gesättigt“, resümiert Raimon Strunck, Geschäftsführer der Neptun Werft GmbH & Co. KG. „Deshalb haben wir uns strategisch neu aufgestellt.“ Der erfahrene 52-jährige Schiffbaumanager übernahm vor zwei Jahren das Steuer als Geschäftsführer bei Neptun just in der Phase, als in Papenburg die Neuausrichtung auf die Ferus für die riesigen Cruise Liner „made by Meyer“ besiegelt wurde.

In der Neptun-Montagehalle unweit der Warnow deutet heute keine Spur mehr auf schlanke Flusskreuzfahrtschiffe. Der neuen strategischen Aufgabe innerhalb des Meyer-Verbundes liegt der ungebrochene Boom auf dem Kreuzschifffahrtsmarkt zu Grunde. Auf den Meyer-Werften in Papenburg und Turku entstehen bis zum Jahr 2024 mehr als 21 neue Cruise Liner, die größten mit einem Schiffsmaß von 209 000 BRZ. „Mit den kompletten Ferus bauen und liefern wir das Kernstück der Mega-Kreuzfahrtschiffe“, hebt Neptun-Chef Strunck hervor. In den hochkomplexen, 140 Meter langen und bis zu 45 Meter breiten Modulen sind sämtliche Antriebs- und Versorgungssysteme untergebracht. Von den Motoren über die Stromaggregate, die Heizungs- und Klimatechnik bis hin zu speziellen Tanks für Flüssiggas (LNG). In ihrer Komplexität ähneln die drei Decks hohen Ferus den Flusskreuzfahrtschiffen, so Geschäftsführer Strunck. Allerdings verlagere sich die Ausrüstung einzig auf das technische Equipment. Im Frühjahr 2017 war ein Feru für die derzeit in Papenburg im Bau befindliche „Norwegian Bliss“ fertiggestellt und dorthin überführt worden.

Bis dato entstehen die Maschinenraum-Module in der seit 2003 bestehenden Montagehalle. „Die neue Herausforderung für unsere Werft ist es, dass wir ab kommendem Jahr den Bau von Ferus deutlich intensivieren. Dann werden jährlich vier Module in Richtung Papenburg und Turku auf die Reise gehen.“ Später soll der Ausstoß auf bis zu sechs Ferus pro Jahr ansteigen. Dieses ambitionierte Vorhaben – ein 12 500 Tonnen schweres Modul entspricht dem Gewicht von etwa sechs Flusskreuzfahrtschiffen – lässt sich in der bestehenden Schiffbauhalle laut Strunck nicht mehr umsetzen. Bereits für das 42 Meter breite „AIDAnova“-Modul musste das Hallentor einseitig erweitert werden.

Die Neptun Werft investiert deshalb 40 bis 50 Millionen Euro in einen neuen Hallenkomplex unmittelbar neben der alten Halle. Das Gebäude wird 58 Meter hoch sein sowie 180 Meter lang und 60 Meter breit. Im Frühjahr 2018 soll es in Betrieb gehen. „Mit der größeren Halle wird es möglich, auf der Werft die Durchlaufzeiten für die Ferus entscheidend zu verkürzen.“ Nach Angaben von Strunck ist es geplant, in der bisherigen Halle in „einer Art Taktfertigung wie im Automobilbau“ die einzelnen Feru-Sektionen herzustellen und diese anschließend in der neuen Halle zu den 140 Meter langen Modulen zusammenzubauen. Die vorgefertigten Stahlbauelemente werden Neptun von anderen Werften in Polen und Deutschland zugeliefert. Nach der Fertigstellung des zweiteiligen „AIDAnova“-Moduls im September bzw. November dieses Jahres folgt ein Feru für ein Kreuzfahrtschiff, das im Auftrag der Reederei Costa Crociere in Turku gebaut wird.

  Der Umstellungsprozess bei Neptun wird eng abgestimmt mit den Werften in Papenburg und Turku. Ziel ist es, die Module in hohem Maß zu standardisieren. „So kann die Produktivität an allen drei Standorten erheblich gesteigert werden.“

Die neuen Strukturen und technologischen Abläufe auf der Werft sind für das Neptun-Management jedoch kein Grund, auf andere Schiffbauprojekte gänzlich zu verzichten. „Wir werden auch künftig Bauaufträge für Flusskreuzfahrtschiffe oder LNG-Tanker hereinnehmen“, unterstreicht Geschäftsführer Strunck. Auf diese Weise bleiben Neptun langjährige Kundenkontakte und wichtiges Know-how erhalten. Auf einem Schiffbaumarkt, der stetigen Veränderungen unterworfen ist. Thomas Schwandt

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