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Mehlwelten-Museum : Schau der Alten Säcke

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Zu wenige Besucher, zu hohe Förderung: Mehlwelten-Museum bleibt hinter Erwartungen zurück / Neue Ausstellung soll mehr Besucher anziehen

svz.de von
erstellt am 23.Mai.2014 | 07:45 Uhr

Korn und Mehl im Spiegel der Kunst zeigt es, ergänzt mit Gedichten der Nobelpreisträgerin Hertha Müller über Ernte, Weizen und Hunger neben dem dunklen Raum der Mythen und Symbole anderer Kulturen, umgeben von tausenden Mehlsäcken aus aller Welt in der Sackothek, im weißen Raum, hängend, sprechend, archiviert, bedruckt mit Ähren, Mühlen aber auch Löwen und Lokomotiven, mit Kamelen aus Marokko und Drachen aus China: Gestern sind weitere eingezogen – in einen neuen Raum der „Alten Säcke“. Das wegen massiver Förderung und ausbleibenden Besuchern in der Kritik stehende Mehlwelten-Museum Wittenburg erweitert seine Ausstellung.

Großes hat er in dem alten Amtsgebäude in Wittenburg noch vor, dass nach Investitionen von 700 000 Euro inzwischen wieder in Originalzustand gebracht wurde – Volkmar Wywiol, Museumsgründer und Chef der Stern-Wywiol-Firmengruppe. Dort ist er in seinem Element, dort ist er in seinen Mehlwelten: Mehlsäcke seien mehr als nur Verpackungsmaterial, erzählt der 78-Jährige gestern. Die Druckmotive würden spannende Geschichten erzählen, zeigten „das poetische Potenzial der Mehlmacher“. Kunst am Mehlsack – auch im gestern eingeweihten neuen Raum der Alten Säcke, mit dem Wywiol die Kulturgeschichte des Mehls noch bekannter machen will. Knapp 3000 Säcke aus mehr als 120 Ländern zeigt das Wittenburger Haus inzwischen – seit gestern auch einen Original-Mehlsack, mit dem die Amerikaner während der Luftbrücke 1948 Berlin mit Mehl versorgten. Die Geschichte des Mehls, die Bedeutung der zerriebenen Körner für die Menschheit, der Kornanbau in Zeiten gentechnisch veränderter Pflanzen, die Vielfalt der Brotsorten – in den inzwischen sanierten Museumsräumen solle stärker der kulturhistorische Aspekt des Mehls dargestellt werden: „Das ist die Zukunft des Museums“, meint Wywiol – und wirbt um neue Besucher. Das wird auch Zeit.

Zwar ist aus der Liebhaberei des Firmenchefs, die 1998 mit dem Fund eines Mehlsacks an einem Strand von Dubai begann, inzwischen ein Museum geworden, das vor allem in der Fachwelt in Deutschland und darüberhinaus Anerkennung findet. Doch die Schau bleibt eine der umstrittensten in Westmecklenburg – vor allem wegen der Finanzierung des Museumsgebäudes. Gut eine Million Euro eigenes Geld habe er in die Entwicklung der Museumsschau gesteckt, erklärte der 78-Jährige gestern: „Das muss ersteinmal verdient sein“ – mit seiner Stern-Wywiol-Firmengruppe, die in Wittenburg und weltweit unter anderem mit der Produktion mit Mehlzusatzstoffen jährlich 365 Millionen Euro (2012) umsetzt. Doch die vor zweieinhalb Jahren unmittelbar vor den Landtagswahlen vom Land gewährte Beihilfe von 500 000 Euro zur weiteren Sanierung des stadteigenen Hauses stößt Kritikern nach wie vor auf. Eine halbe Million für 1000 Besucher im Jahr – da „ist die Verhältnismäßigkeit nicht gegeben“, hatte der Steuerzahlerbund seinerzeit kritisiert. Damals hatte Wywiol erklärt, in zwei bis drei Jahren rechne er mit 5000 bis 10 000 Besuchern im Jahr. Die üppige Förderung hatte Landwirtschaftsminister Till Backhaus (SPD) einst mit deutlich steigenden Besucherzahlen begründet. Zudem sollte das Haus dann regelmäßig halbtags geöffnet werden. Darauf wartet das Museum noch immer.

Die Zeit ist um, zweieinhalb Jahre später kommen nach wie vor nur etwa 1000 Besucher im Jahr in die Wittenburger Säckeschau. Auch bleibt das Museum mit einem monatlichen Öffnungstag hinter den Erwartungen zurück. Mehr Besucher sollen es werden, verspricht Wywiol gestern erneut. Um „Raum für Raum“ solle die Ausstellung in den nächsten Monaten erweitert werden: Der „Kunst am Mehlsack“ solle die Wissensvermittlung über das Mehl folgen – „da gibt es viele spannende Themen“, meint Wywiol – vor allem für Kinder. So sollen künftig verstärkt Schulklassen angesprochen werden.

Kritik lässt Wywiol hingegen nicht gelten: Ohne das Mehlsackmuseum – die historischen Gemäuer wären dem Verfall preisgegeben gewesen, jetzt aber blieb das Amtsgericht erhalten. Und: „Die Gäste kommen auch noch.“

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