P+S-Werften : Schadenersatzforderung gegen Sanierungsgutachter

Die Wirtschaftsberatungsgesellschaft KPMG soll im Fall der P+S Werften schlecht beraten haben.
Die Wirtschaftsberatungsgesellschaft KPMG soll im Fall der P+S Werften schlecht beraten haben.

svz.de von
24. März 2014, 20:20 Uhr

Im Fall der Millionenpleite der P+S-Werften gibt es nach einer Zeugenaussage im Untersuchungsausschuss erste Schadenersatzforderungen. Die Altgesellschafter (Hegemann-Gruppe) haben Forderungen gegen die Wirtschaftsberatungsgesellschaft KPMG gestellt, wie der einstige Sanierer der Werften in Stralsund und Wolgast, Martin Hammer,gestern im Schweriner Landtag sagte. Der seinerzeit zuständige KPMG-Berater für P+S war bis zum Nachmittag nicht für eine Stellungnahme zu erreichen.

KPMG hatte im Dezember 2009 ein positives Sanierungsgutachten für P+S erstellt. In den folgenden Wochen wurden jedoch 108 Millionen Euro Finanzierungs- und Beratungskosten nachgeschoben. Dadurch habe sich das Bild verändert, so Hammer. Die nunmehr bestehenden Risiken hätten allen Beteiligten gegenüber deutlich benannt werden müssen.

Hammer war Ende Januar 2010 unter anderem aufgrund der veränderten Situation als Sanierer zurückgetreten. Er habe das Unternehmen unter diesen neuen Rahmenbedingungen nicht mehr für rettbar gehalten.

Der Grünen-Obmann im Ausschuss, Johannes Saalfeld, forderte das Land auf, nun ebenfalls mit Nachdruck Schadenersatzforderungen gegenüber KPMG zu prüfen. Im Finanzausschuss habe er die Auskunft erhalten, mögliche Ansprüche würden später geprüft. Dafür äußerte Saalfeld Unverständnis. „Da zählt jede Woche“, sagte er. Er habe den Eindruck, dass eine Krähe der anderen kein Auge aushacken wolle.

Hammer sagte weiter, von Seiten des Landes sei zu wenig Druck gemacht worden, um die Finanzierungs- und Beratungskosten zu senken. Kritisch sei auch der Personalabbau bei den Ingenieuren der Werft zu sehen, was den Umstieg vom Container- auf den Spezialschiffbau erschwert habe.

Die Obfrau der Linken im Untersuchungsausschuss, Jeannine Rösler, sagte: „Wir teilen die Kritik von Herrn Hammer, dass die neuen Umstände völlig unzureichend von allen Beteiligten berücksichtigt wurden.“ „Es war verantwortungslos, hier auf das Prinzip Hoffnung zu setzen“, sagte Rösler.

Die Obfrau der SPD, Stefanie Drese, erklärte, Hammers Kritik richte sich gegen ein vorläufiges Zwischengutachten von KPMG. Im endgültigen Gutachten seien wesentliche Punkte deutlich verändert gewesen.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen