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Klimaanlagen in Zügen fallen wieder aus : Sauna auf Schienen

vom

Für die Fahrgäste des ICE 586 auf dem Weg nach Hamburg war es ein Schock. Am Bahnhof von Würzburg fielen nicht nur Kühlung und Beleuchtung aus. Auch die Türen der Zuges ließen sich nicht mehr öffnen.

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erstellt am 06.Jun.2011 | 07:45 Uhr

Berlin | Für die Fahrgäste des ICE 586 auf dem Weg nach Hamburg war es ein Schock. Am Bahnhof von Würzburg fielen nicht nur Kühlung und Beleuchtung aus. Auch die Türen der Zuges ließen sich nicht mehr öffnen. Draußen entlud sich gerade ein Gewitter mit Platzregen. "Zum Glück, sonst wären wir richtig gebraten worden", berichtete Fahrgast Michael Kröher über die Ereignisse vom Sonntag. Nach 20 Minuten war der Spuk vorbei. Doch weiter fuhr der Zug nicht.

In 20 Fernzügen der Bahn machten am Sonntag die Klimaanlagen schlapp. Wie vor einem Jahr musste in Bielefeld ein ICE geräumt werden, nachdem die Klimaanlage ausgefallen war. 500 Passagiere hätten aussteigen müssen, sagte eine Bahnsprecherin. Die Vorfälle erinnern an einige Tage im Juli 2010, an denen 53 Defekte der Innenraum-Kühlung gemeldet wurden. Der Unmut war damals so groß, dass Bahnchef Rüdiger Grube vom Verkehrsausschuss des Bundestages zum Rapport bestellt wurde.

Vor allem betroffen sind die 44 Züge der Typs ICE 2. Die Gründe für die Probleme des vergangenen Sommers seien erkannt, berichtete der Technik-Vorstand der Bahn, Volker Kefer. Allen Problemen dürfte aber noch nicht vorzubeugen sein. Genau dies bewahrheitet sich nun.

Die Bahn hielt sich zu den Einzelheiten der jüngsten Pannenserie bedeckt. Im vorigen Sommer hatten sich manche Klimaanlagen, die eigentlich bis 42 Grad arbeiten sollen, schon unterhalb dieser Schwelle abgeschaltet. Die Bahn, der Hersteller Siemens und Klima-Experten von Liebherr hätten zwei Lösungsansätze erarbeitet, heißt es in der Juni-Ausgabe der Mitarbeiterzeitung "DB Welt". Kurzfristig würden Verschleißteile ausgetauscht, Lüfter gereinigt und Leitbleche angebaut. Endgültige Abhilfe sei jedoch erst vom Einbau neuer Steuermodule für die Lüftermotoren zu erwarten. Sie sollen einen reibungslosen Betrieb bis 46 Grad Außentemperatur sichern. Das Dumme: Das Bauteil gibt es nicht in Serie.

Die ICE 2 werden derzeit einer Generalüberholung unterzogen. "Das dauert pro Zug etwa einen Monat, und das Programm zieht sich etwa zwei Jahre hin", also bis Sommer 2013, erläutert Karl-Peter Naumann, Vorsitzender des Fahrgastverbandes Pro Bahn. Zufrieden zeigte sich Naumann damit, dass die Bahn überhitzte Züge rechtzeitig evakuiert und Ersatzzüge bereitgestellt habe. Es komme jetzt darauf an, dass sie das auch in Zukunft tue. Wichtig sei, dass "der Kunde am Ende nicht irgendwo sitzen bleibt".

>> Die Feinde der Bahn Hitze und Kälte

Extremes Wetter hat der Bahn schon mehrfach große Probleme bereitet. Ein Rückblick:

Juli 2010: Während einer Hitzewelle mit Temperaturen von
mehr als 30 Grad fallen binnen weniger Tage Klimaanlagen in gut
50 Fernzügen aus - teils komplett, teils in einzelnen Wagen. In einem ICE brechen Schüler auf dem Rückweg von ihrer Klassenfahrt nach Berlin zusammen,. Die Bahn zahlt Reisenden mit Gesundheitsproblemen wegen aufgeheizter Züge später je 500 Euro Schmerzensgeld. Bis zum 22. September erhalten rund 27 000 Kunden Entschädigungen im Wert von knapp vier Millionen Euro.

Dezember 2010: Stundenlange Schneefälle und eisige Kälte stürzen Deutschland in ein Winterchaos. Im Bahnverkehr kommt es zu erheblichen Verspätungen und zahlreichen Zugausfällen. Mehrere Strecken werden zeitweise gesperrt. Heiligabend legen vereiste Oberleitungen und umgestürzte Bäume den Bahnverkehr auf wichtigen Routen lahm. Auch hier kommen auf die Bahn erhebliche Zahlungen zu.
dpa

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