Bauerntag in Erfurt : Sanktionen mit „brutalen“ Folgen

Mit einer symbolischen Aktion von Joachim Rukwied (l.), Präsident des Deutschen Bauernverbandes, und Helmut Gumpert, Präsident des Thüringer Bauernverbandes, begann gestern in Erfurt der Deutsche Bauerntag.
Mit einer symbolischen Aktion von Joachim Rukwied (l.), Präsident des Deutschen Bauernverbandes, und Helmut Gumpert, Präsident des Thüringer Bauernverbandes, begann gestern in Erfurt der Deutsche Bauerntag.

Bauernpräsident Joachim Rukwied fordert eine Überprüfung des Russland-Embargos, die Landwirte hoffen auf den Export.

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24. Juni 2015, 21:00 Uhr

Bauernpräsident Joachim Rukwied hat „brutale“ Folgen durch die Russland-Sanktionen für die Landwirtschaft beklagt und eine Überprüfung gefordert. Das Embargo sei Hauptursache dafür, dass die Preise für Schweine eingebrochen und der Milchpreis kräftig unter Druck geraten seien, sagte er gestern beim Deutschen Bauerntag in Erfurt. „Am Ende sind die Bauernfamilien die Leidtragenden.“

Er zeigte sich zudem offen für das transatlantische Handelsabkommen TTIP. Wegen des hierzulande stagnierenden Marktes müsse der Export ausgebaut werden. Doch dürften dafür die hohen europäischen Standards etwa in der Fleischproduktion nicht aufgegeben werden.

Laut Bauernverband haben sich die deutschen Agrarexporte in den vergangenen zehn Jahren fast verdoppelt. Zunehmend Sorgen bereiten ihnen jedoch gesunkene Milchpreise. „Die Ursache ist nicht das Ende der Quote, die Ursache liegt in schwächelnden Märkten“, konstatierte Rukwied. Seit dem Ende der Milchquote im Frühjahr, die die Produktion seit Jahrzehnten in der EU gedeckelt hatte, sei die Milchmenge um etwa ein halbes Prozent gesunken, betonte Rukwied.

Sorge bereitet den Bauern die wachsende Kritik an ihrer Arbeit – etwa am Schreddern von Küken oder am Einsatz von Antibiotika in der Tierhaltung. Rukwied lehnte schärfere Gesetze ab. „Wir als Bauern sind bereit, für noch mehr Tierwohl zu sorgen – das muss aber auch honoriert werden.“

Um das Tierwohl ging es gestern auch auf dem Kongress der Europäischen Milchbauern in Rostock. Dort forderte ein Experte eine nationale Nutztierstrategie. Diese Diskussion sei eine Aufgabe der gesamten Gesellschaft und könne nicht den Bauern alleine überlassen werden, sagte gestern der Präsident des Thünen-Instituts in Braunschweig, Folkhard Isermeyer. Die Milchviehhalter sehen sich derzeit vielen ethischen Fragen gegenüber. Bislang hätten sich die Anpassungsstrategien an Marktveränderungen auf größere Bestände oder höhere Milchleistung pro Kuh beschränkt, sagte Isermeyer. Doch dies bereite inzwischen vielen Menschen Unbehagen. In Rostock treffen sich bis Freitag etwa 400 europäische Milchviehhalter und -verarbeiter.

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