zur Navigation springen

Preisverfall auf dem Bauernhof : Russland-Krise erreicht Bauernhöfe in MV

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Sinkende Schweinepreise, geringeres Milchgeld, neue Preisrunde im Handel: Landwirte erwarten Einbußen / Backhaus fordert Obergrenzen für Ställe

svz.de von
erstellt am 12.Sep.2014 | 20:20 Uhr

Preisverfall auf dem Bauernhof: Die Auswirkungen der Ukraine-Krise sind bei den Bauern in MV angekommen. Deutlich sinkende Schweinepreise, geringeres Milchgeld, neue Preisrunde bei Discountern – der nach den EU-Sanktionen gegen Russland von Russland wiederum verhängte Importstopp für Lebensmittel aus dem EU-Raum setze die Märkte für für Milch- und Fleischprodukte, Obst und Gemüse unter Druck, erklärte Bauernpräsident Rainer Tietböhl gestern auf dem Landesbauerntag in Mühlengeez nahe Güstrow. Von heute auf morgen hätte alle Lieferungen eingestellt werden müssen: „Das gab es noch nie.“ Tietböhl verlangte eine schnelle politische Lösung des Konflikts. Die Handelsbeschränkungen müssten aufgehoben werden.

Vor allem Schweinebauern sind betroffen: Inzwischen wären die Preise für Schweinefleisch im Vergleich zum Vorjahr um fast 20 Prozent gesunken, erklärte Albert Hortmann-Scholten von der Landwirtschaftskammer Niedersachsen – von 1,93 auf 1,63 Euro je Kilogramm Schlachtgewicht: „Die Landwirtschaft ist im Griff der Russland-Krise.“ Die Verluste summieren sich: Pro Schwein bekämen die Bauern derzeit sechs bis acht Euro weniger als noch vor einem Jahr. Auch der Milchmarkt gerate unter Druck – schlechte Aussichten nach einer weltweiten Absatzschwäche. Die ersten Molkerei in MV haben ihre Lieferanten bereits auf die angespannte Marktlage hingewiesen. Bei den Bauern wächst die Sorge, dass die Milchpreise und Einnahmen sinken könnten. Die ersten Händler nutzen indes die Marktnot für eine neue Preisrunde: Lebensmitteldiscounter hätten den Butterpreis um 14 Prozent gesenkt, kritisierte Landwirtschaftsminister Till Backhaus (SPD): „Das muss zurückgenommen werden.“ Vielmehr müsse sich Handel solidarisch zeigen und nicht nur die Gewinne maximieren. „Faire, angemessene Preise“, forderte Backhaus – auch, um tierschutzgerechte Haltungsbedingungen in den Ställen zu sichern: „Wer mehr Tierwohl fordert, muss bereit sein, mehr zu zahlen.“ Backhaus verlangte vom Bund Regelungen zu Obergrenzen in Ställen und die Einführung eines Tierschutz-TÜV.

Nach der Debatte um überhöhte Medikamentengaben und schockierenden Bildern über das Töten von Ferkeln kündigte Bauernpräsident Tietböhl weitere Gespräche mit Tierschützern an. Dabei dürften aber nicht „Schreihälse und Ideologen die Oberhand “ bekommen, es müssten wissenschaftliche Argumente zugrunde gelegt werden. Die Bauern setzen bereits hohe Tierschutzstandards um. „Wir haben den Umgang mit Tieren von der Pike auf gelernt ... von der Geburtshilfe bis zum leider manchmal notwendigen Töten aus Tierschutzgründen“, sagte Tietböhl. Es gehe nicht nur um Tierschutz, sondern auch um die Arbeitsbedingungen für die Beschäftigten. Die Tierhaltung dürfe nicht unter Generalverdacht gestellt werden. Allerdings: „Wer Regeln nicht einhält, muss zur Verantwortung gezogen werden.“

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen