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Ausbildungsstellen für alle : Rundum sorglos in den Beruf?

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Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Vor allem Hauptschüler haben in Mecklenburg-Vorpommern Probleme eine Ausbildung zu finden: Jugendberufsagenturen wollen frühzeitig helfen

svz.de von
erstellt am 01.Dez.2015 | 12:00 Uhr

„Ausbildungsstellen für alle“, könnte diese Schlagzeile eigentlich lauten. Denn seit einigen Jahren übersteigt das Angebot der Ausbildungsplätze in Mecklenburg-Vorpommern das der Bewerber. Doch jubeln können längst nicht alle. Vor allem Hauptschüler haben bei der Suche nach einer Lehrstelle oft das Nachsehen. Spezielle Angebote der Arbeitsagenturen sollen das ändern.

Wie aus dem aktuellen Ländermonitor hervorgeht, gab es im Jahr 2013 400 mehr Lehrstellen als Lehrlinge im Land. Zwar sank die Zahl der Ausbildungsplätze zwischen 2007 und 2013 von 16500 auf 9200. Gleichzeitig verringerte sich jedoch auch die Zahl der Bewerber von 18    300 auf 8800. Für Schulabgänger mit einem Hauptschulabschluss ist es dennoch schwieriger geworden, in MV nach der Schule im Berufsleben Fuß zu fassen.

„Oft sind diese Jugendlichen in schwierigen Verhältnissen aufgewachsen und haben einen großen Nachholebedarf“, meint Dr. Christiane David vom JugendService Mecklenburgische Seenplatte. Das ist ein Gemeinschaftprojekt der Agentur für Arbeit, der Jobcenter MSE-Nord und MSE-Süd, des Landkreises und des Staatlichen Schulamts Neubrandenburg. Ihr Ziel ist es, alle Jugendlichen zwischen 15 und 25 Jahren auf dem Weg in ein eigenständiges berufliches Leben zu unterstützen.

„Seit 2014 bieten wir jungen Menschen eine gemeinsame Anlaufstelle in Neubrandenburg“, erklärt David. „Alle Behörden sind auch räumlich unter einem Dach und ziehen an einem Strang.“ Das Zusammenspiel aller Partner auf dem Weg ins Berufsleben bietet den Jugendlichen quasi ein Rundum-sorglos-Paket der Berufsvorbereitung: ausführliche Schülerpraktika, Förderung, Nachhilfe und Berufs-, Reha- oder Studienberatung. Angebote von freien Trägern stehen genauso bereit wie von Unternehmen und ihren Organisationen, Kinder- und Jugendpsychotherapeuten sowie Jugendclubs. Bei Bedarf kann diese Hilfe auch über die Zeit der Ausbildung fortgesetzt werden. Wird den Jugendlichen nicht zu viel abgenommen?

„Nein“, meint David. „Die Kinder brauchen schon frühzeitig einen Plan fürs Leben.“ Wer nach der Schule nicht weiß, was er mal werden will, würde dem Staat viel Geld kosten. Jeder nicht besetzte Ausbildungsplatz bedeute eine weitere Fachkräftelücke. „Die Kinder wachsen nicht mehr nach. Jeder Lehrling ist wichtig“, meint die Projektleiterin. Hinzu käme, dass es viele Jugendliche mit einem höheren Abschluss nach der Schule in größere Städte zum Studieren ziehe. Betriebe müssten sich daher noch mehr als bisher auf die Bedürfnisse der jungen Menschen einstellen. Um die Lehrstellen zu besetzen, wäre es außerdem wichtig, Schüler mit einem niedrigeren Abschluss gesondert zu motivieren und für einen Beruf zu befähigen.

Während 2005 noch 87 Prozent der Bewerber mit Hauptschulabschluss in MV direkt nach der Schule eine betriebliche Lehre begannen, waren es 2013 mit 60 Prozent deutlich weniger. Unter dem Motto „Kein Abschluss ohne Anschluss“ will der JugendServiceMSE wieder für einen positiven Trend sorgen. Dabei hat das Projekt schon jetzt Vorbildcharakter. Ende Oktober führte das Bundesministerium für Arbeit und Soziales bei einer Fachtagung das Projekt als Beispiel erfolgreicher Jugendberufsagenturen an.

„Hilfe aus einer Hand, feste Ansprechpartner, die nicht zuerst nach Zuständigkeiten fragen müssen, sondern danach, was die Jugendlichen brauchen, was helfen kann – das ist das Neue bei der Jugendberufsagentur“, sagte Bundesministerin Andrea Nahles bei der Tagung. Niemand solle mehr an der Schwelle von der Schule in den Beruf stolpern. Inzwischen hat auch in Rostock ein Jugendhaus eröffnet.

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