Keez bei Brüel : Riesiger Stall für Milchkühe

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Agrarhof Brüel läutet neue Ära der Milchproduktion in MV ein. Kritiker bemängeln Lärm, Gülle und Gestank

svz.de von
02. September 2015, 06:00 Uhr

Der Agrarhof Brüel will mit einem der größten Kuhställe der Region in Keez bei Brüel eine neue Ära der Milchproduktion in Mecklenburg-Vorpommern einläuten. In den umliegenden Dörfern jedoch regt sich Widerstand. Mehr als 500 Gegner dokumentierten ihren Protest bereits auf einer Unterschriftenliste. Bei einer öffentlichen Anhörung konnten die Kritiker gestern ihre Bedenken noch einmal vortragen.

Rund 50 Zuhörer waren nach Golchen in den Tanzsaal einer Bauernhof-Ferienanlage gekommen, die ihren Urlaubsgästen eher das Bild einer idyllischen Landwirtschaft vermittelt, in das das Vorhaben des Agrarhofs Brüel nicht passen will. In einem 362 Meter langen, modernen Stall will das Unternehmen rund 3000 Milchkühe, Färsen und Kälber unterbringen und jährlich 16,5 Millionen Liter Milch gewinnen. Das Futter soll auf den eigenen Äckern angebaut und die Gülle dort ausgebracht werden, verspricht Agrarhof-Prokuristin Dagmar Laugwitz. Mit den Investitionen von bis zu 20 Millionen Euro soll zudem eine Biogas-Anlage gebaut werden. Außerdem soll der Name Brüels durch die Anlage „in Europa einen guten Klang“ bekommen. Der Agrarhof will statt der üblichen Holstein-Kühe künftig Jersey-Rinder melken. Deren Milch sei fetthaltiger, nahrhafter und auf dem Weltmarkt bald sehr begehrt. Darum würden Landwirte bald aus allen Himmelsrichtungen nach Keez pilgern, um sich die Anlage anzuschauen.

Auf den ersten Blick mag das Vorhaben der 23 Mitglieder starken Genossenschaft Agrarhof Brüel etwas zu ehrgeizig erscheinen. Ihre Vorsitzende ist indes Fanja Pon, hinter der ein milliardenschweres Familienunternehmen steht. Seit über 20 Jahren engagiert sie sich in der Sternberger Region. Mit dem Keezer Projekt eckt sie zum ersten Mal an.

Eine Bürgerinitiative wurde gegründet, und die Umweltorganisation BUND unterstützt die Kritiker genauso wie die Grünen im Schweriner Landtag. „Unser Grundwasser ist schon belastet“, sagte Hans-Werner Lübcke. Der Pensionär glaubt, dass die Gülle aus der Keezer Anlage den Böden und dem Wasser in der Gegend noch mehr Schadstoffe zusetzen wird. Corinna Cwielag vom BUND bemängelte die geplanten Brandschutzmaßnamen des Stalls. Ulrich Werner kritisierte für die Bürgerinitiative, dass die Rinder-Anlage nicht zwischen die geschützten Naturräume drumherum passe, die unter deren Gestank und Ausdünstungen leiden würden. Doreen Meyer aus dem Nachbardorf Thurow stellte das Genehmigungsverfahren der Behörden in Frage. Eine andere Anwohnerin klagte, die Ausgaben für drei Ferienwohnungen könnte sie nun in den Wind schreiben, weil Touristen wohl kaum in der Nähe eines derart großen Stalls Urlaub machen wollen. Nicht nur Trecker- und LKW-Verkehr würden zusätzlichen Lärm verursachen, sondern auch die 3000 Kühe, die „auch nachts muhen“, klagte eine Kritikerin.

Dagmar Laugwitz war trotz der Kritik zuversichtlich, dass das zuständige Staatliche Amt für Landwirtschaft und Umwelt den Stall genehmigen wird. Die Zustimmung der Stadtvertreter Brüels hat sie längst in der Tasche.


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