Energieversorgung MV : Riesenakku trotzt Kohlekraftwerken

Sorgen seit einem Jahr für Ausgleich im Stromnetz: 25 000 Akkus im ersten kommerziellen Batteriespeicherwerk in Schwerin
Sorgen seit einem Jahr für Ausgleich im Stromnetz: 25 000 Akkus im ersten kommerziellen Batteriespeicherwerk in Schwerin

Neues Batteriespeicherwerk lässt Kasse des Regionalversorgers Wemag klingeln: RWE an Schweriner Technologie interessiert

svz.de von
23. September 2015, 08:00 Uhr

Riesenakku am Stromnetz: Europas erstes großes kommerzielles Batteriespeicherwerk in Schwerin lässt bei Westmecklenburg Stromversorger Wemag die Kasse klingeln. Nach einem Jahr Betrieb steuerte das mit 25 000 Akkus bestückte Werk knapp 700 000 Euro Erlöse bei, erklärte Wemag-Technikvorstand Thomas Pätzold gestern in Schwerin. Damit liege das Werk über den Erwartungen. Mit dem Fünf-Megawatt-Großspeicher kann die Wemag binnen Millisekunden Schwankungen im Stromnetz ausgleichen, die durch die Einspeisung von immer mehr Öko-Strom aus Wind- und Sonnenanlagen entstehen. Nur mit einer Netzfrequenz von stabil 50 Hertz funktionieren elektrische Geräte problemlos. Bislang haben vor allem Kohlekraftwerke für Ausgleich und Stabilität im Netz gesorgt. Trotz mancher Skepsis in der Branche und in der Politik habe das Speicherwerk in den vergangenen zwölf Monaten gezeigt, dass es wettbewerbsfähig sei und mit Kohle- und Gaskraftwerken mithalten könne, sagte Pätzold. In den vergangenen Monaten habe die Wemag in 46 Wochen ihre Regelenergie am Markt angeboten und jedes Mal den Zuschlag erhalten – zu guten Preisen. Die Wemag und der Berliner Speicherspezialist Younicos hatten das sechs Millionen Euro teure Speicherwerk vor einem Jahr eröffnet.

Mit dem Speicherwerk baut die Wemag das alternative Energiegeschäft aus. Der 2009 vom Vattenfall-Konzern an 200 Kommunen in MV und Brandenburg verkaufte Strom- und Gasanbieter hatte vor Jahren ein millionenschweres Investitionsprogramm aufgelegt und verstärkt in eigene Windkraft-, Photovaltaik- und Biogasanlagen investiert. Inzwischen seien fünf Windkraftanlagen in Betrieb, zwei weitere in diesem Jahr im Bau. Im kommenden Jahr sollen etwa 20 weitere hinzukommen, sagte Pätzold. Im Netzgebiet der Wemag könnten inzwischen alle Kunden mit in der Region eingespeister Energie aus erneuerbaren Quellen versorgt werden. Etwa 5000 Produzenten speisten mittlerweile ihren Öko-Strom ins Wemag-Netz, erklärte Vorstand Caspar Baumgart. Der Ausbau der erneuerbaren Energien erhöhe die Anforderungen an die Netzsteuerung. Daher wolle die Wemag ab 2017 die Überwachung der Energieanlagen im eigenen Versorgungsgebiet, vor allem aber die wachsende Zahl der Windkraftanlagen in Westmecklenburg sowie die Netze einzelner Stadtwerke in MV, Brandenburg und Niedersachsen wieder selbst in die Hand nehmen.Dazu wurde gestern in Schwerin das Gebäude für eine neue Netzleitstelle eingeweiht.

Indes sorgt das Schweriner Batteriespeicherwerk trotz der starken Kohlekraftwerkslobby in der Branche für immer mehr Aufsehen. Selbst der zweitgrößte deutsche Energiekonzern RWE plane inzwischen den Bau eines Batteriespeichers – möglicherweise mit Know how aus Schwerin. Die Wemag habe sich um den Bau beworben, sagte Pätzold. Mit weiteren mehr als 15 Interessenten seien entsprechende Gespräche geführt worden.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen