Vorbild Güstrow : Riesen-Ökogaswerk für die Ukraine

Kann 50 000 Haushalte mit Energie versorgen: das Nawaro Öko-Gaswerk in Güstrow
Kann 50 000 Haushalte mit Energie versorgen: das Nawaro Öko-Gaswerk in Güstrow

Nach Güstrow und Penkun: Anlagenbetreiber Nawaro steigt ins Auslandsgeschäft ein / BUND warnt vor zügellosem Ausbau

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05. Juni 2015, 12:00 Uhr

Noch größer, mit einer noch höheren Leistung, für noch mehr Haushalte: Der Biogasanlagenbetreiber Nawaro mit seinen Megaanlagen in Güstrow und Penkun expandiert. Das Unternehmen will in der Ukraine eine der weltgrößten Biomethananlagen aufbauen – für die Versorgung von 70 000 Haushalten mit Wärme aus lokal produziertem Biomethan. Nawaro, der Vizeministerpräsident der westukrainischen Region Iwano-Frankiws, Sergiy Basarab, und die ukrainische Energieagentur verhandelten gestern über ein entsprechendes Kooperationsabkommen, das im Juni unterzeichnet werden soll. Das Gas aus der Biomethanproduktionsanlage solle aus biogenen Reststoffen der Agrar- und Lebensmittelindustrie vor Ort gewonnen werden und in das Gasnetz eingespeist werden, teilte Jochen Tilger, Direktor der Nawaro BioEnergie AG gestern mit. Mit der geplanten Anlage könne eine Stadt wie Rostock vollständig mit Wärme versorgt werden, hieß es.

Mit dem Ukraine-Geschäft zieht es Nawaro nach Kritik an den deutschen Megaanlagen ins Ausland. Nach eigenen Angaben plant die Unternehmensgruppe den Betrieb mehrerer BioEnergie-Parks in Kroatien, in denen aus nachwachsenden Rohstoffen Energie erzeugt werden soll. Der Bund für Umwelt und Natur (BUND) warnte vor einem zügellosen Ausbau. Die geplante Biogasanlage in der Ukraine habe enorme Dimensionen, erklärte BUND-Landeschefin Corinna Cwielag. In der Ukraine finde ein Ausbau der industriellen Massentierhaltung statt. Wenn Gülle unter den für die Anlage bestimmten „Reststoffen der Agrarindustrie“ sein sollte, „wäre das eine Katastrophe“. Wenn in der Biogasanlage nicht echte Reststoffe eingesetzt werden, sei der Beitrag zur Nachhaltigkeit fraglich, so Cwielag: „Gigantismus hat auch bei den Erneuerbaren erhebliche Nachteile.“

Anlagen wie die des weltgrößten Biokraftwerks seiner Art in Güstrow stehen in der Kritik: In Güstrow werden nach Unternehmensangaben jährlich aus 420 000 Tonnen Biomasse und Energiepflanzen – Mais, Getreide und Ganzpflanzensilage – jährlich 46 Millionen Kubikmeter Biomethan hergestellt. Das reicht, um den Energiebedarf von über 50 000 Haushalten zu decken. Die Güstrower Anlage war die erste in Deutschland, die Biogas in das überregionale Versorgungsnetz eingespeist hat. Für die Lieferung an die riesigen Öko-Kraftwerke haben Bauern allerdings in einer ganzen Region Monokulturen ins Feld gestellt – Mais, wohin das Auge blickt. Das führe zu einer Verarmung der Landschaft, gefährde die Bodenfruchtbarkeit und führe zu einem verstärkten Schädlingsbefall, kritisieren Naturschützer. Inzwischen ist der Landkreis Rostock nach Ludwigslust-Parchim das zweitgrößte Maisanbaugebiet in MV, teilte das Landwirtschaftsministerium in der Antwort auf eine Kleine Anfrage des Grünen-Landtagsabgeordneten Johann-Gregor Jaeger vor wenigen Monaten mit. Dort steht auf 22 544 Hektar Mais – fast ein Fünftel der gesamten Anbaufläche in MV.  

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