Aus dem Ei in den Schredder : Rettungsplan für Eintags-Hähnchen

Niedlich, aber dennoch zum Tode verurteilt: Weil sie später keine Eier legen, werden männliche Küken vergast oder bei lebendigem Leib geschreddert. Fotos: Peter Endig
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Niedlich, aber dennoch zum Tode verurteilt: Weil sie später keine Eier legen, werden männliche Küken vergast oder bei lebendigem Leib geschreddert. Fotos: Peter Endig

Wie Bundesagrarminister Schmidt die massenhafte Tötung männlicher Küken stoppen will – Grüne kritisieren „Mogelpackung“

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30. März 2015, 20:59 Uhr

Sie werden aussortiert und müssen sterben, weil sie keine Eier legen: Jedes Jahr werden 45 Millionen männliche Küken in Deutschland entweder vergast oder bei lebendigem Leibe geschreddert. Seit langem fordern Tierschützer ein Verbot dieser Praxis. 2014 hatte Nordrhein-Westfalen als erstes Bundesland das Töten männlicher Eintagsküken untersagt. Bundesagrarminister Christian Schmidt will verhindern, dass männliche Küken überhaupt erst massenhaft ausgebrütet werden. Ein neues Diagnose-Verfahren soll dabei helfen. „Ja, es funktioniert und es gibt Alternativen, das Töten von Küken zu beenden“, so der CSU-Politiker gestern beim Besuch in einem Spezial-Labor der Universität Leipzig. „Jetzt geht es darum, mit aller Kraft die Praxisreife voranzutreiben.“ Die Agrarwirtschaft begrüßt die Pläne des Bundes. Die Grünen sprechen dagegen von einer Mogelpackung und wollen über eine Bundesratsinitiative Nordrhein-Westfalens ein bundesweites Verbot durchsetzen.

Schmidts Plan: Bis Ende kommenden Jahres soll es den Prototyp einer Maschine geben, die die Geschlechtsbestimmung automatisch vornimmt. „Wenn ein solches Gerät auf dem Markt erhältlich ist, gibt es für die Brütereien keine Rechtfertigung mehr, männliche Küken auszubrüten und zu töten“, so Bundesagrarminister Schmidt. Die Wirtschaft müsse mithelfen und die neue Technik einsetzen, sobald sie marktreif sei. Die Branche wird die zusätzlichen Kosten für das Verfahren wohl an die Verbraucher weitergeben: Die Bundesregierung rechnet einem Preisanstieg um bis zu zwei Cent je Ei.

Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen pochen auf ein gesetzliches Verbot der bisherigen Tötungspraxis. NRW-Verbraucherschutzminister Johannes Remmel (Grüne) erklärte im Gespräch mit unserer Berliner Redaktion: „Bundeslandwirtschaftsminister Schmidt spielt auf Zeit.“ Er würde sich vor der Verantwortung ducken. „Der Bund muss das Tötungsverbot umgehend gesetzlich verankern und das Tierschutzgesetz ändern.“

Ähnlich äußerte sich Remmels Amtskollege aus Niedersachsen, der Grünen-Politiker Christian Meyer: „Diese verwerfliche Praxis kann nicht so weitergehen. Tiere sind keine Wegwerfware.“ Mit Ankündigungen und „reinen Forschungsaufträgen“ sei es bei diesem Thema nicht getan. Nordrhein-Westfalen will jetzt eine Bundesratsinitiative starten. Ein Sofort- Verbot fürs Küken-Schreddern?

Bundesminister Schmidt winkt ab. Ein Verbot würde das Problem lediglich ins Ausland verlagern, ist der CSU-Politiker überzeugt.

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