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Verbrauchertäuschung in MV : „Regionaler Fisch“ aus Kasachstan

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

„Schafskäse“ aus Kuhmilch, „regionaler Fisch“ aus Kasachstan: Auch im vergangenen Jahr wurden Lebensmittelkontrolleure in Mecklenburg-Vorpommern fündig. Von den 8202 Lebensmittelproben wurde fast jede achte (12,8 Prozent) beanstandet.

Die Speisekarte eines Restaurants auf Rügen ließ manchem Kunden das Wasser im Mund zusammenlaufen: „Gebratener Boddenzander auf Kartoffel-Apfel-Gemüse mit Salatbeilage“. Doch dies war eine Irreführung der Verbraucher – der Fisch stammte aus Kasachstan.

Diesen und weitere Fälle präsentierte Landesverbraucherminister Till Backhaus (SPD) gestern in Rostock bei der Bilanz 2013 des zuständigen Landesamts. Besonders skurril sei es, wenn etwa auf der Verpackung einer in Handarbeit hergestellten Vollmilchschokolade „Sonne“ als Zutat erwähnt werde. Backhaus zeigte sich zufrieden, dass 2013 keine durch MV verschuldeten gravierenden Probleme in der Lebens- und Futtermittelbranche verzeichnet wurden. Die Betriebe würden auf hohem Niveau kontrolliert. „Sie haben erkannt, dass die Eigenkontrollsysteme funktionieren müssen.“ Das Land sei dann für die Kontrollen dieser Kontrollen zuständig. „Wir kriegen sie sonst.“

Im Vorjahr gab es den Angaben zufolge in 15 265 Betrieben 22 607 Kontrollen. Damit wurden 57 Prozent der infrage kommenden Firmen erfasst. In gut 80 Fällen zogen schwere Verstöße Ermittlungen der Staatsanwaltschaft nach sich. „Das sind keine Kavaliersdelikte.“ Dabei ging es etwa um die Abgabe verdorbener Lebensmittel oder um gesundheitsgefährdende Fremdkörper – wie etwa Metallteile in Brezelteigrohlingen oder Kunststoffsplitter in Feigenbrot. 60 Anzeigen erfolgten wegen irreführender Kennzeichnung. Der „absolute Großteil der Betriebe“ liege aber im grünen Bereich, betonte Backhaus. Nach den Worten des Ministers will das Land mit einem bundesweit einmaligen System mehr Transparenz bei der Einhaltung von Hygienevorschriften in Gaststätten, Bäckereien und im Handel schaffen. Die Ergebnisse der Kontrollen seien fortan in Form eines Punktesystems im Internet einsehbar.

Er bedauerte, dass es in Deutschland keine Einigung auf ein einheitliches Transparenzsystem gebe. Das werde in der Regel von den Wirtschaftsministern, aber auch Verbänden torpediert. Wegen des zunehmenden Wettbewerbs, des Internethandels und auch der Globalisierung werden nach Einschätzung der Verbraucherschützer die Märkte immer unübersichtlicher. Es sei zu befürchten, dass schwarze Schafe versuchten, gesetzliche Lücken in der Rechtsprechung auszunutzen. Backhaus forderte die Bundesregierung auf, eine Einrichtung zur Überwachung des Internethandels zu schaffen. Das Land sei auf die Anforderungen vorbereitet. Viele Aufgaben würden im Verbund mit anderen Bundesländern erledigt.

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