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Greifswald : Reaktor erfolgreich getestet

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Magnetfeld bei „Wendelstein 7-X“ in Greifswalder Fusionsanlage steht. Wissenschaftler sprechen von einem „Meilenstein“

Für die Forscher ist es ein wichtiger Meilenstein bei der Inbetriebnahme des Kernfusionsexperiments „Wendelstein 7-X“: Nach den positiven Funktionstests aller Magnete Anfang Juli konnte jetzt erstmals ein Magnetfeld in der Fusionsanlage im Max-Planck-Institut für Plasmaphysik in Greifswald aufgebaut werden. Der magnetische Käfig für das viele Millionen Grad heiße Fusionsplasma habe die von den Physikern berechnete Gestalt, sagte der zuständige IPP-Bereichsleiter Thomas Sunn Pedersen gestern.

Dies sei ein „wesentlicher Meilenstein“. Denn mit dem Nachweis geschlossener Flussflächen im Magnetfeld sei die Voraussetzung für den Stellaratorbetrieb bestätigt.

Noch in diesem Jahr soll in der 725 Tonnen schweren Anlage, deren Inbetriebnahme sich immer wieder verzögert hatte, das erste Plasma erzeugt werden. Die wissenschaftliche Gemeinschaft der Fusionsforscher feierte die erfolgreichen Magnetfeldtests. Glückwünsche kamen unter anderem aus Princeton (USA), Lausanne (Schweiz), Cadarache (Frankreich), Großbritannien oder Spanien. „Herzlichen Glückwunsch an Sie und das IPP-Team auf diese monumentale Leistung“, schrieb Professor John Howard, Direktor des Plasmaforschungszentrums in Canberra (Australien) per Mail.

In Kernfusionskraftwerken soll später – so die Erwartung der Forscher – analog zu den Prozessen auf der Sonne durch die Verschmelzung von Atomkernen Energie klima- und umweltfreundlich erzeugt werden. Wann die Technologie tatsächlich kraftwerksreif sein wird, ist bislang offen. „Wendelstein 7-X“ ist Institutsangaben zufolge nach Fertigstellung die weltweit größte Fusionsanlage vom Typ Stellarator, der im Dauerbetrieb laufen kann. Die Anlage soll noch keine Energie erzeugen, aber die Kraftwerkseignung untersuchen. Im französischen Cadarache entsteht mit ITER die erste Demonstrationsanlage vom Typ Tokamak, der im Gegensatz zu einem Stellarator „gepulst“ betrieben wird - das heißt, er muss zwischenzeitlich immer wieder neu gestartet werden.

Bis das erste Plasma in der Greifswalder Anlage erzeugt werden kann, muss nach Institutsangaben die computergestützte Datenerfassung für den Experimentierbetrieb justiert sowie Geräte und Apparaturen in der Peripherie der Anlage vervollständigt werden. Auch steht die Betriebsgenehmigung noch aus, die bis zum Ende des Jahres erwartet wird.

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