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Beizverbot : Raps blüht – aber große Schäden

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Die befürchtete Katastrophe durch den Verzicht auf die Beizung des Saatgutes ist zwar ausgeblieben, doch die Ertragseinbußen sind hoch

Der Raps blüht in Mecklenburg-Vorpommern, dem Rapsland Nummer eins in der Bundesrepublik, entgegen vieler Befürchtungen so leuchtend gelb wie eh und je. Im Herbst durften die Bauern kein Saatgut einsetzen, das mit einem Gift gegen Rapserdfloh und Kohlfliege gebeizt wurde. Der Wirkstoff steht im Verdacht, auch Honigbienen und Hummeln zu schädigen. Einige Felder waren von den Rapsschädlingen so betroffen, dass sie umgebrochen und neu eingesät werden mussten, sagte der Fachberater bei der Norddeutschen Pflanzenzucht GmbH Hohenlieth und Malchow, Andreas Baer, der Deutschen Presse-Agentur. Vereinzelt sehe man auch „lückige Bestände“. Eine Katastrophe sei jedoch ausgeblieben.

Doch es seien Schäden entstanden, „die wir in dieser Größenordnung noch nicht hatten“, sagte der Raps-Spezialist. Er rechnet bundesweit mit drei bis fünf Prozent Ertragseinbußen auf etwa drei Viertel der insgesamt 1,3 Millionen Hektar Raps in Deutschland. 900 000 Hektar seien vom Erdfloh – einem Käfer – sowie in Mecklenburg-Vorpommern und Schleswig-Holstein besonders stark auch von der Kohlfliege befallen.

Bei einer Erntemenge von 50 Dezitonnen vom Hektar würden drei Prozent einen Verlust von 1,5 Dezitonnen oder 50 bis 60 Euro je Hektar ausmachen, erklärte er. Hinzu komme der Mehraufwand durch die Flächenbehandlungen im Herbst, bei denen Pflanzenschutzmittel gespritzt wurden, sowie durch die Neusaaten. Baer schätzt sie in MV auf etwa 1000 Hektar, bundesweit auf 2000 bis 3000 Hektar.

  Während es „Einzelschicksale“ von Landwirten gebe, die große Schäden hinnehmen müssten, habe sich die Masse der Bestände besser regeneriert als vermutet, räumte Baer ein. Er hatte nach eigenen Angaben sehr für die Beizung des Saatgutes gekämpft. „Auch in kommerziell arbeitenden Betrieben gibt es ein Umweltbewusstsein.“

Die Beizung sei eingeführt worden, um nicht beim Spritzen der Felder andere Insekten als die Rapsschädlinge zu töten. Das zweijährige europaweite Verbot der Rapsbeizung ist aus Baers Sicht eine vorausschauende Risikoabwehr – ein reiner Verdacht, dass die Beizung den Bienen schade, weil der Wirkstoff auch noch im Pollen vorhanden sei. „Wir haben das Institut für Bienenkunde in Hohenheim beauftragt, Rückstandsuntersuchungen machen zu lassen. Es wurde nichts gefunden“, sagte er. Auch habe es in den Jahren mit der Beizung keine Klagen von Imkern gegeben. Er hoffe, dass die Beizung wieder zugelassen wird.   Sie erspare mindestens eine Flächenbehandlung auf den Feldern.

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