Mela : Qualität statt Menge bei Tierhaltung

Die Rinderrasse „Deutsche Holstein“ist das Mela-Tier 2015.
Die Rinderrasse „Deutsche Holstein“ist das Mela-Tier 2015.

Bündnis kritisiert Landwirtschaftsmesse Mela

svz.de von
09. September 2015, 08:00 Uhr

Sie steht im Mittelpunkt der an diesem Donnerstag startenden Landwirtschaftsmesse Messe Mecklenburg-Vorpommerns, der Mela – die schwarz-weiße Rinderrasse „Deutsche Holstein“. Mit einer Milchleistung von bis zu 50 Litern pro Tag zählt sie zu den Höchstleistungstieren in vielen Ställen und ist laut Bauernverband MV eine der wirtschaftlich bedeutsamsten Rassen der Gegenwart.

Doch genau dort liegt das Problem, wenn es nach dem Landesbündnis für Nachhaltige Landwirtschaft MV geht. Auf der gestrigen Landespressekonferenz prangerte das Bündnis, das sich unter anderem aus den Umweltverbänden BUND (Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland) und Nabu (Naturschutzbund Deutschland) sowie dem Tierschutzbund MV und Landwirten der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft zusammensetzt, die Höchstleistung, Intensivierung und Industrialisierung der Mela an. Kerstin Lenz, Vorsitzende des Tierschutzbundes MV: „Die durchschnittliche ,Nutzungsdauer‘ von Milchkühen liegt inzwischen in Deutschland unter drei Jahren. Kühe können aber bis zu 20 Jahre alt werden.“ Es zähle vor allem die Leistungsfähigkeit der Rinder, doch die bedürfe auch einer speziellen Fütterung und wegen dieser hätten einige Rinder wiederum mit Verdauungsproblemen zu kämpfen, führte Lenz aus. „Immer weniger Milchbetriebe lassen die Milchkühe zu der für sie artgerechten Haltung und Fütterung auf das Grünland, weil jeder Schritt mehr zu Lasten der Milchleistung geht“, so Lenz. Ein weiteres Problem sieht sie im schnellen Verkauf und Transport von gerade einmal einer Woche alten Kälbern. Nicht nur, dass dieser besonders für die Jungtiere eine Strapaze darstellt; für viele ist er lebensgefährlich. „Wir brauchen wieder Bestandsgrößen in der Tierhaltung, die Tiere nicht zum Rohstoff werden lassen“, fordert Lenz.

Auch für Corinna Cwielag, Landesgeschäftsführerin des BUND MV, steht fest, Obergrenzen für Tierhaltungsanlagen in MV und bundesweit müssen her. „Für Milchbetriebe sollten sie bei 600 Rindern, für Schweine bei 950 Mastplätzen und 150 Sauen liegen“, so Cwielag. Als negatives Beispiel führt sie die geplante Großanlage für 3000 Milchkühe in Keez bei Brüel an. Diese überschreite die geltenden Vorschriften der Landesbauordnung für Stallbauten um das 23-fache und lasse Umweltfolgen durch die Behandlung der entstehenden Güllemenge von 40   000 Kubikmetern pro Jahr außer Acht.

Auch der aktuelle Preisverfall der Milch wurde in diesem Zusammenhang erwähnt. So sei vor allem die Existenz vieler Betriebe bedroht, was der Bauernverband nach Meinung von Jörg Kröger, Vorsitzender des Unternehmerverbandes Milan, bewusst in Kauf nehme. Auch Georg Janßen, Bundesgeschäftsführer der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft, verwies darauf, dass nicht in Menge, sondern in Qualität gedacht werden müsse. Alle stehen in der Verantwortung: Politik, Milchindustrie, Supermärkte, Bauern und Verbraucher, so Janßen.

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