Tag der Milch : Protest gegen niedrigen Milchpreis

Bauernpräsident Rainer Tietböhl (l.), Heike Müller vom Landfrauenbund (r.) und Ministerpräsident Erwin Sellering (SPD) ließen sich die frische Milch gestern schmecken – auch die sechsjährige Anni ist beim Protest der Bauern dabei.
Bauernpräsident Rainer Tietböhl (l.), Heike Müller vom Landfrauenbund (r.) und Ministerpräsident Erwin Sellering (SPD) ließen sich die frische Milch gestern schmecken – auch die sechsjährige Anni ist beim Protest der Bauern dabei.

Das kostbare Lebensmittel wird für nur wenige Cent im Discounter angeboten – für die Bauern ein unhaltbarer Zustand

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01. Juni 2015, 20:16 Uhr

Am „Tag der Milch“ haben Landwirte in Schwerin flüssige Lebensmittel verschenkt. Unter dem Motto „Milch ist mehr wert!“ reichten gestern aus Protest gegen Dumpingpreise etwa 30 Bauern aus Mecklenburg-Vorpommern an Passanten in der Fußgängerzone der Landeshauptstadt literweise frische Milch aus. „Wir wollen auf die miserable Lage in der Milchwirtschaft aufmerksam machen“, sagte Bauernverbandspräsident Rainer Tietböhl. Mehrere Discounter hätten die Preise für Milchprodukte wiederholt gesenkt. Sie böten derzeit einen Liter frische Vollmilch für 55 Cent an. Landwirte bekämen von ihren Molkereien aktuell etwa 29 Cent für einen Liter Rohmilch.

Zugleich würden immer mehr und strengere Auflagen hinsichtlich des Tier- und Umweltschutzes erhoben, sagte Tietböhl. „Wir wollen ja alles für das Tierwohl tuen, sind dazu aber bald nicht mehr in der Lage.“ Vor allem kleinere Betriebe mit vielleicht nur 50 bis 200 Kühen kämen wirtschaftlich ins Trudeln und müssten möglicherweise aufgeben. Trotz des Auslaufens der EU-Milchquote im April gebe es aber derzeit noch „nicht Unmengen mehr Milch“, meinte der Verbandspräsident. „Der Markt fehlt, es muss alles dafür getan werden, dass das Russland-Embargo aufgehoben wird.“ Als Schuldige der gegenwärtigen Misere bezeichnete Tietböhl den Handel und die Molkereien. „Der Verbraucher kauft, was angeboten wird.“ Kunden zeigten bei der Aktion in Schwerin Verständnis für die Sorgen der Landwirte, viele seien bereit, mindestens zehn Cent mehr für den Liter Milch auszugeben, hieß es. „Der Preisdruck ist völlig unnötig“, meinte Verbandssprecherin Claudia Schalla. Dabei rechne der Verband noch mit weiteren Preissenkungen in den nächsten Monaten. Dies verschärfe den Strukturwandel in der Landwirtschaft, sagte sie.

Agrarminister Till Backhaus (SPD) bezeichnete in einer Erklärung vom Wochenende Milch als eines der wertvollsten Lebensmittel. „Dass wir in Deutschland rund um die Uhr Milch zur Verfügung haben, ist ein großer Luxus.“ Doch bei Erzeugerpreisen von unter 30 Cent je Kilogramm bestehe die Gefahr, die eigene Milchwirtschaft gegen die Wand fahren zu lassen. Er werde das Bundeskartellamt bitten, die derzeitigen Verkaufspraktiken zu überprüfen, kündigte Backhaus an. „Denn der Verdacht liegt nahe, dass einige Marktteilnehmer unter dem Einkaufspreis handeln, somit den Markt verzerren, nur um den Lebensmitteleinzelhandel zu befriedigen.“ Offenbar nutze der Handel seine Marktmacht aus, um den Preis aufgrund eines derzeitigen Überangebotes zu drücken, vermutete Backhaus.

Die Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL/Hamm) machte ein derzeitiges Überangebot und die wachsenden Billigexporte der Molkereien außerhalb der EU für den Preisverfall verantwortlich. Mit sinkenden Auszahlungspreisen an die Bauern hielten sich die Molkereien schadlos, kritisierte AbL-Vorstand Ottmar Ilchmann.

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