Fernbus-Branche ordnet sich neu : Preiswerter geht es kaum

Erste Opfer nach Preiskampf / Netz wird dichter

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09. April 2015, 12:00 Uhr

Die Zuwachsraten lassen in anderen Branchen Neid aufkommen: „Das war nicht zu erwarten“, erklärt Matthias Schröter. In nur zwei Jahren nach der Liberalisierung des bis Anfang 2013 zugunsten der Bahn abgeschotteten Fernbusmarktes, haben Verkehrsbetriebe ein nahezu flächendeckendes Liniennetz für Überlandbusse durch Deutschland gezogen. „Das ging von null auf einhundert“, meint der Sprecher des Bundesverbandes der Omnibusunternehmer. Schwerin - Berlin, Rostock - Hamburg, Stralsund - Dresden: Ständig kommen neue Linien hinzu. In nur zwei Jahren des freien Busmarktes hat sich die Zahl der Verbindungen von einst 62 auf gut 250 vervierfacht, ergab eine zu Jahresbeginn vorgestellte Marktanalyse des Bundesamtes für Güterverkehr. Wöchentlich starten die Busfahrer zu 7088 Fahrten durchs Land. Bislang würden überwiegend die Rennstrecken zwischen deutschen Großstädten bedient, die in der Regel parallel zu bestehenden Bahnstrecken verliefen. Bei Fahrten Richtung Berlin hat das Bundesamt indes bereits ein Überangebot ausgemacht – wöchentlich starten Busse zu mehr als 3000 Abfahrten Richtung Hauptstadt.

Doch das Netz wird enger: Gerade erst hat der Postbus, nach MeinFernbus FlixBus und der Bahn-Tochter Berlinlinienbus der dritte große Anbieter, neue Verbindungen in Norddeutschland angekündigt. Die Branche denke darüber nach, auch ländliche Regionen an das Fernbusnetz besser anzuschließen, sagte Schröter. Zudem blicken die Unternehmen auch über die Ländergrenzen, beobachtet das Bundesamt.

Vor allem die günstigen Fahrpreise ziehen die Passagiere in die Busse. Das biete allen Haushalten Mobilität, sagt der Verbandsprecher. Immer mehr Verbraucher würden erkennen, dass Busfahren sicher, sauber und komfortabel sei. Am Markt herrsche „Euphorie“, beobachtet Branchenkenner Schröter. Etwa 16 Millionen Fahrgäste haben die Fernbusse im vergangenen Jahr durch Deutschland gefahren – doppelt soviel wie ein Jahr zuvor. Es werden mehr: Das Bundesverkehrsministerium prognostiziert in den kommenden Jahren etwa 25 Millionen Fahrgäste.

Die meisten neuen Kunden seien vom eigenen Auto oder von Wagen der Mitfahrzentralen auf den Bus umgestiegen, beobachtet Schröter: „Das Produkt Bus wird auf Dauer deutlich günstiger sein als Auto oder Bahn“ – preiswerter geht es kaum. Und dennoch sehe er den Fernbus nicht als Konkurrenten zur Bahn, so Schröter: „Auf dem Markt ist genug Kuchen aufzuteilen.“ Zu den Nutzern zählen indes „insbesondere preisbewusste, zu einem hohen Prozentsatz weibliche, Reisende unter 35 Jahren, die überwiegend alleine und zu privaten Zwecken reisen“, analysierte des Bundesamt. Neben einem hohen Anteil von Studenten würden auch zunehmend mehr ältere Nutzer in die Busse steigen.

Indes fordert der Preiskampf um Marktanteile auf dem Fernbusmarkt erste Opfer: Die Busse sind je nach Linie nach eigenen Angaben der Unternehmen im Schnitt zu knapp 40 und bis fast 70 Prozent ausgelastet, ermittelte das Bundesamt. Zu wenig für einige Betreiber: Das britische Verkehrsunternehmen National Express nahm seinen deutschen Busableger City2City aus dem Rennen, der Linienbetreiber DeinBus konnte nach der Insolvenz nur mit einem neuen Investor gerettet werden. Und auch der ADAC ist aus dem gemeinsamen Fernbus-Projekt mit der Deutschen Post längst wieder ausgestiegen.

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