zur Navigation springen

Landwirtschaft : Preisbremse soll Ackerpacht deckeln

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Zins steigt in Mecklenburg-Vorpommern um fast 30 Prozent. Landwirte, Linke und Grüne fordern Regulierung

Preisexplosion auf dem Acker: Mecklenburg-Vorpommerns Landwirte stemmen sich gegen den rasanten Anstieg der Pachtpreise für Agrarflächen und fordern den Eingriff der Politik. Die Pachten seien in den vergangenen Jahren in einigen Landesteilen „ins Unermessliche gestiegen“, kritisierte Bauernpräsident Rainer Tietböhl gegenüber unserer Zeitung. Während die Preise in der Milch-, aber auch Schweineproduktion deutlich gesunken seien und die Einnahmen schmälerten, könne der stetig steigende Pachtzins kaum noch erwirtschaftet werden. Bauern müssten im Landesdurchschnitt etwa 350 Euro je Hektar zahlen, in einigen Regionen aber sogar bis zu 900 Euro. „Das ist nicht mehr zu verantworten“, so Tietböhl.

Die Pachtpreise sind vor allem durch die Privatisierungspraxis der bundeseigenen Bodenverwertungs- und -verwaltungsgesellschaft (BVVG) für die ehemals volkseigenen Agrarflächen in die Höhe geschnellt. Eigenen Angaben zufolge verlangte die BVVG allein 2014 für neu verpachtete Flächen knapp 30 Prozent mehr als noch ein Jahr zuvor – der größte Preisanstieg seit acht Jahren. Bei Neuverträgen verlangte der Bund im Schnitt 447 Euro je Hektar, mehr als doppelt so viel wie 2008.

In Agrarregionen ein bundesweiter Trend: Niedersachsens grüner Landwirtschaftsminister Christian Meyer prüft inzwischen, analog der Mietpreisbremse eine Pachtpreisbremse für Agrarflächen einzuführen. Die Debatte müsse auch in Mecklenburg-Vorpommern geführt werden, forderte Tietböhl. Unterstützung kommt von Grünen und Linken in MV: Eine Pachtpreisbremse könnte ein Weg sein, den Preisanstieg zu dämpfen, erklärte Prof. Fritz Tack, agrarpolitischer Sprecher der Linken-Landtagsfraktion. Wirksamer wäre aber ein Agrarstrukturverbesserungsgesetz in MV. Damit könnte das Land im Interesse der Beschäftigten Einfluss auf den landwirtschaftlichen Grundstücksverkehr und das landwirtschaftliche Pachtwesen nehmen. Unterstützung erhält eine Pachtpreisbremse auch bei Grünen-Fraktionschef Jürgen Suhr. Angesichts des derzeit hitzigen Bodenhandels bedarf es allerdings weitergehender Regelungen, um unerwünschte Konzentrationen in den Händen weniger Investoren zu verhindern.

Landwirtschaftsminister Till Backhaus (SPD) hält sich noch zurück: Er betrachte die enormen Pachtpreissteigerungen „mit großer Sorge“, wolle aber zunächst Vorschläge einer eingesetzten Bund-Länder-Arbeitsgruppe Bodenmarktpolitik abwarten, erklärte er.

 


zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen