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Zukunftskonferenz Wind & Maritim 2013 in Rostock : Pläne für Windräder im Meer gestoppt

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Der Windkraft geht auf See die Puste aus: Verunsicherte Investoren haben sieben Offshore-Projekte in der Nordsee gestoppt. Jetzt sollen in Rostock Wege und Strategien zur Umsetzung der Energiewende diskutiert werden.

svz.de von
erstellt am 23.Apr.2013 | 07:01 Uhr

Rostock | Den Investitionen in Windkraft auf hoher See geht die Luft aus: Die von Bundesumweltminister Peter Altmaier (CDU) und Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP) angezettelte Debatte um eine Strompreisgrenze hat in Deutschland Milliardeninvestitionen auf Eis gelegt. In der Nordsee seien inzwischen sieben Offshore-Projekte auf Stopp gestellt worden, erklärte Andree Iffländer, Chef Wind Energy Network, gestern in Rostock: Derzeit seien Offshore-Projekte mit einer Leistung von etwa drei Gigawatt in der Pipeline. "Inzwischen würden aber "unterschriftsreife Projekte zurückgestellt." Die Pläne hätten zu einer starken Verunsicherung des Marktes geführt, kritisierte Iffländer im Vorfeld der heute in Rostock beginnenden zweitägigen Zukunftskonferenz Wind & Maritim 2013, dass gesetzlich festgelegte Rahmenbedingungen in Berlin rückwirkend in Frage gestellt worden seien. "Da wurde sehr viel Vertrauen verspielt", sagte Iffländer. "Wenn das fehlt, wird es gefährlich." Auf dem Spitzentreffen wollen 300 Experten Wege und Strategien zur Umsetzung der Energiewende diskutieren.

Inzwischen klagen selbst große Investoren wie Statoil über eine zunehmende Verunsicherung, meint Iffländer. Die Debatte könnte die Entwicklung der Windenergiebranche und die technologische Vorreiterrolle beim Ausbau der regenerativen Energie gefährden. Nach Planungszeiträumen von bis zu zwölf Jahren müsse die Branche gerade feststellen, dass das eine oder andere Projekt derzeit in Frage gestellt werde, sagte Iffländer. Mit weitreichenden Auswirkungen: Der Projektstopp führe in der Branche zu fehlenden Folgeaufträgen, inzwischen seien erste Insolvenzen gemeldet worden.

Die Branche macht Druck: Soll der vollständige Umbau auf erneuerbaren Energien, wie von der Bundesregierung avisiert, bis 2050 geschafft sein, sind mehr Verlässlichkeit, Vertrauensschutz und langfristig sichere Rahmenbedingungen notwendig, fordert Iffländer. "Wir müssen zu einer faktenbestimmenden, ehrlichen Diskussion zurückkehren" und nicht die Debatte um die Energiekosten einseitig auf dem Rücken der erneuerbaren Energien austragen.

Werften, Windkraftanlagenbauer, Häfen, Serviceunternehmen, das Geschäft mit der Windkraft scheint riesig: Experten schätzen das Potenzial auf 100 Milliarden Euro allein in Deutschland - für Investitionen in Windparks, die Anbindung an Land, den Ausbau der Häfen und der Industriestandorte - eine Riesenchance für Mecklenburg-Vorpommern, meint Iffländer: "Wir haben nicht so viele Möglichkeiten in Mecklenburg-Vorpommern." Die Nordic-Werften in Wismar und Warnemünde nutzen sie inzwischen: Vier Plattformen für den Anschluss von Offshore-Windparks in der Nordsee stehen in den Orderbüchern. Ein lukrativer Markt: Insgesamt sind allein in der Nordsee 26 so genannte Konverterplattformen notwendig. Andere Unternehmen im Nordosten rechneten sich vor allem im Offshore-Geschäft in der Ostsee Marktchancen aus. So sind vor Rügen und in der Mecklenburger Bucht bislang insgesamt 21 Offshore-Windparks geplant. Noch sei durch die Kostendebatte zumindest in der Ostsee kein Projekt zurückgestellt worden. Doch auch hier steige die Unsicherheit der Investoren, meinte Iffländer.

An Land erwarten Experten in diesem Jahr in MV enorme Zuwachsraten. Der Grünen-Energieexperte Johann-Georg Jaeger rechnet damit, dass Anlagen mit zusammen 500 Megawatt hinzukommen - ein Sechstel der bisher installierten Leistung in MV. Im vergangenen Jahr waren nach Angaben des Bundesverbandes Windenergie in MV 124 neue Windräder mit einer Gesamtleistung von 308 Megawatt aufgebaut worden - im Bundesländervergleich der dritthöchste Zuwachs nach Niedersachsen und Schlesiwg-Holstein. Insgesamt drehen sich in MV inzwischen mehr als 1500 Windräder mit einer Gesamtleistung von 2000 Megawatt.

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