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Seuchengefahr : Pestzug bedroht Schweine in der EU

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Brüssel bestätigt Seuchenausbruch in Litauen. Die Einschleppungsgefahr steigt.

Die Pest kehrt zurück: Im Dreiländereck Polen, Litauen und Weißrussland ist jetzt erstmals auch in der Europäischen Union die für Tiere tödliche Afrikanische Schweinepest (ASP) festgestellt worden. Bei 40 Wildschweinen sei von der Europäischen Kommission die Krankheit bestätigt worden, teilte das Landwirtschaftsministerium gestern in Schwerin mit.

Für die Pest gibt es kein Halten: Die Seuche bewege sich „anscheinend unaufhaltsam“ von Osten auf die EU zu, beobachtet das Bundesforschungsinstitut für Tiergesundheit auf der Insel Riems. Die Krankheit, die für den Menschen sowie andere Haus- und Wildtiere Wissenschaftlern zufolge ungefährlich ist, bei Schweinen aber „in der Regel 100 Prozent der betroffenen Tiere binnen zehn Tagen“ sterben lasse, grassiere seit 2007 in Russland. Mit dem ersten Fall in der EU wachse die „Gefahr einer ASP-Einschleppung in Mecklenburg-Vorpommerns Nachbarn Polen ... deutlich“, sagte Landwirtschaftsminister Till Backhaus (SPD) gestern. Sollte das Virus auf Deutschland übergreifen, hatte die Interessengemeinschaft der Schweinehalter Deutschlands vor Wochen bereits vor Schäden in Milliardenhöhe gewarnt.

Die Gefahr wächst: Auf Sardinien sei die Pest seit vielen Jahren festgestellt worden, erklärte Guntram Wagner, Chef des Veterinäramtes im Landkreis Mecklenburgische Seenplatte gestern. Das Virus habe sich in der Vergangenheit über mehrere 1000 Kilometer ausbreiten können. Trotz aller Bekämpfungsmaßnahmen sei die Krankheit in Russland nicht beherrschbar, sagte Wagner. Die Seuche könne sich durch eine Landverbindung ausbreiten – auch über Handelswege. Der Seuchenfall in Litauen erhöhe die Gefahr, da Handel und Warenaustausch in der EU im Vergleich zu Russland intensiver seien. Dabei treffe die Krankheit auf einen „unvorbereiteten Tierbestand“. Zudem gebe es keinen wirksamen Impfstoff für die Behandlung von Wildschweinen, sagte Wagner.

Bauern und Veterinäre bereiten sich auf den Ernstfall vor: Nach dem letzten Pestzug hätten die Bauern den Seuchenschutz auf den neuesten Stand gebracht, sagte Renate Schuster, Chefin des Hybridschweinezuchtverbandes in MV: „Die Landwirte sind vorbereitet.“ 2013 hätten die neuen Kreise in einer Stabsübung die Alarmierung im Seuchenfall getestet, sagte Veterinär Wagner. Das Virus sei sehr widerstandsfähig und halte sich in unbehandeltem Fleisch und -produkten, Blut sowie in gepökelten oder geräucherten Waren monatelang auf, warnte Backhaus. Er forderte Reisende auf, „keine Erzeugnisse mit oder aus Schweinefleisch aus Weißrussland oder Litauen mitzubringen“.

Bei Schweinehaltern in MV werden indes Erinnerung an den letzten großen Seuchenzug in den 90er-Jahren wach: In mehr als 60 Fällen war damals in MV die klassische Schweinepest ausgebrochen. Mindestens 230 000 Tiere mussten zwischen 1992 und 1998 gekeult werden. Die Bauern hatten unter jahrelangen Handelsrestriktionen zu leiden. Durch den Seuchenzug hatte sich der Schweinebestand deutlich reduziert – 1995 auf 520 000 Tiere. Zwei Jahre zuvor waren es noch knapp 800 000. Erst im vergangenen Jahr wurde in MV mit 894 500 Schweinen der höchste Bestand seit 1992 gezählt.

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erstellt am 29.Jan.2014 | 08:14 Uhr

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