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Langzeitarbeitslose in MV : Personalchefs in der Pflicht

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Langzeitarbeitslose in MV profitieren nicht von guter Arbeitsmarktentwicklung / Wirtschaft soll Vorurteile abbauen

svz.de von
erstellt am 19.Feb.2015 | 07:38 Uhr

Hoffnung auf Arbeit für Frauen und Männer, die seit mehr als zwei Jahren ohne Job sind: Mit Lohnkostenzuschüssen und Jobbetreuung in Betrieben will die Arbeitsverwaltung 700 Langzeitarbeitslose in MV in Beschäftigung bringen. Rund 16 Millionen Euro sollen dafür zur Verfügung gestellt werden, kündigte Margit Haupt-Koopmann, Chefin der Landesagentur für Arbeit gestern bei einem Spitzentreffen von 180 Arbeitsmarktexperten in Schwerin an. Damit sollen Firmenchefs für die Einstellung von Langzeitarbeitslosen Lohnkostenzuschüsse von bis zu 75 Prozent erhalten und Arbeitslose bei der Aufnahme von Arbeit mehrere Monate im Betrieb betreut werden. Gleichzeitig würden spezielle Akquisiteure der Jobcenter in der Wirtschaft auf Jobsuche gehen. Deutschlandweit stellt der Bund 900 Millionen Euro aus dem Europäischen Sozialfonds bereit – Hilfe für 33 000 Menschen.

Zwar habe MV in den vergangenen 25 Jahren auf dem Arbeitsmarkt große Fortschritte gemacht, erklärte Ministerpräsident Erwin Sellering (SPD) nach dem Arbeitsmarkttreffen: „Die Arbeitslosenzahl ist heute auf dem niedrigsten Stand seit der Deutschen Einheit“ – 80 000 weniger als vor zehn Jahren. In den vergangenen Monaten konnten Langzeitarbeitslose aber immer weniger von der guten Entwicklung profitieren: Zwar habe sich ihre Zahl in den vergangenen zehn Jahren in MV auf derzeit 33 400 nahezu halbiert, sagte Haupt-Koopmann. Aber: „Seit vier Jahren treten wir auf der Stelle.“ In den letzten zwei Jahren habe die Langzeitarbeitslosigkeit sogar leicht zugenommen.

Geld und Programme allein reichten aber nicht, diese Form der Arbeitslosigkeit zu reduzieren. Vor allem in der Wirtschaft müsse ein Umdenken erfolgen, forderte die Agenturchefin. Gegenüber Langzeitarbeitslosen gebe es nach wie vor Vorurteile, die abgebaut werden müssten. Bislang sei lediglich ein Drittel der Unternehmer bereit, Betroffenen eine Chance zu geben. Auch angesichts des Fachkräftemangels sollten Personalchefs Langzeitarbeitslosen in Auswahlverfahren eine Chance geben, appellierte Haupt-Koopmann: „Es sind nicht die Langzeitarbeitslosen der Arbeitsagenturen und Jobcenter, es sind die Langzeitarbeitslosen der ganzen Gesellschaft.“ Auch Sellering sieht die Wirtschaft in der Pflicht: „Die Unternehmer müssen sich davon trennen, dass sie von vorn bis hinten verwöhnt und ihnen Dinge abgenommen werden, die zur Arbeit der Unternehmer gehören“, meinte er.

Die Opposition im Schweriner Landtag forderte indes weitergehende Hilfen zur Reduzierung der Langzeitarbeitslosigkeit. Den Jobcentern stünden 2015 erneut weniger Mittel für die Integration von Arbeitslosen zur Verfügung als in den Vorjahren, kritisierte der arbeitsmarktpolitische Sprecher der Links-Fraktion, Henning Foerster. Das Land müsse beim Bund darauf drängen, dass die „Kürzungsorgie bei der Arbeitsförderung beendet wird“.

 


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