Tourismus : Per Wüstenschiff durch den Wald

Spaziergang nach Groß Raden: Jens Kohlhaus führt das zehnjährige kasachische Trampeltier Juri zum Museum. Kamele sowie Lamas, Alpakas, Wölfe und Rentiere leben auf dem 30 Hektar großen Areal.
Spaziergang nach Groß Raden: Jens Kohlhaus führt das zehnjährige kasachische Trampeltier Juri zum Museum. Kamele sowie Lamas, Alpakas, Wölfe und Rentiere leben auf dem 30 Hektar großen Areal.

Pferdeausritte waren gestern. Seit dieser Saison können Touristen die Gegend rund um Sternberg auf Kamelen erkunden.

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27. August 2015, 21:00 Uhr

„Oh, coole Aussicht!“ Jessica jubelt. Die Neunjährige sitzt zum ersten Mal auf einem Kamel und lässt sich bei einer Wanderung durch die Sternberger Seenlandschaft schaukeln. Juri, das zehnjährige kasachische Trampeltier, fühlt sich sichtlich wohl in Mecklenburgs kühlen Wäldern. Genüsslich mampft es frische Blätter von den Bäumen am Weg. Nur Regen würden die „Wüstenschiffe“ nicht so mögen, sagt Kamelhofbesitzer Jens Kohlhaus.

Kohlhaus betreibt seit diesem Sommer in dem kleinen Ort Sternberger Burg ein exotisches Touristikunternehmen. Mit Kamelen, aber auch Lamas, Alpakas, Wölfen oder Rentieren lässt er Groß und Klein durch die idyllische Endmoränenlandschaft östlich der Landeshauptstadt Schwerin streifen.  „Vorsicht, die können austreten!“, warnt Kohlhaus. Er passt genau auf, dass kein Wanderer direkt neben oder hinter einem der imposanten Trampeltiere läuft oder ihm gar vor die großen Füße stolpert. Ebenso achtet der Besitzer darauf, dass die Wege für die asiatischen Lasttiere nicht zu steinig sind, damit sich die an weichen Sandboden gewöhnten Sohlengänger nicht verletzen. Sicherheit für Mensch und Tier gehe vor, betont der Naturfreund.



Derzeit hält Kohlhaus zehn Höckertiere sowie andere Exoten auf seiner Farm. Künftig solle die Kamelherde auf 30 Zuchtstuten, Hengste und Fohlen anwachsen, sagt der Unternehmer.

Der gemütliche Spaziergang mit Kamel und Lamas führt heute wieder zum rund drei Kilometer entfernten Archäologischen Freilichtmuseum Groß Raden. Der eintausendjährige altslawische Tempelort war in den 1970-er Jahren entdeckt und restauriert worden. Museumschefin Heike Pilz hofft auf viele begeisterte Wanderer, die rund ums Jahr zusammen mit exotischen Tieren den Weg in das abseits gelegene Museum finden könnten.„Wir sehen das als große Chance, auch im Herbst und Winter Familien und Kindergruppen anzulocken“, betont Pilz. Allerdings müssten Trampeltier und Co. auf einer Weide vor dem Eingang des Museums grasen und dürften nicht mit den Besuchern auf das historische Gelände, meint die Leiterin.

Kamel Juri wartet geduldig, bis es nach der Mittagspause in Groß Raden auf den Rückweg geht. Kinderbetreuerin Silvia Piechowski, Leiterin des Arbeitslosenzentrums Schwerin, hat schon oft mit Feriengruppen an den zwei- bis dreistündigen Trekking-Touren teilgenommen, wie sie sagt. „Nicht nur das Erlebnis Natur ist wichtig für die Kinder, sondern auch die Gemeinschaft.“ Erneut folgt ein kurzer Stopp im Wald, damit die lütten Reiter sich abwechseln können. Yasmin sitzt nun zwischen Juris Höckern und lehnt sich zurück. „Schön warm ist das Fell, und so weich“, staunt das Mädchen. Das weiße Kamel ist in einem Zirkus aufgewachsen und lebt seit diesem Frühjahr auf dem Hof Sternberger Burg, so Besitzer Kohlhaus. Das gut ausgebildete Tier ließe sich selbst von tobenden Kindern kaum aus der Ruhe bringen. Vorsicht sei dennoch geboten.

Hunderte Kinder und Erwachsene wurden bereits von den lauffreudigen Exoten in das fern der Ostseeküste gelegene neue Urlaubercamp und zu ausgedehnten Ausflügen angelockt, berichtet der Farmgründer . Diese Saison seien die tierischen Trips durch die Wälder bislang fast immer ausgebucht gewesen.

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