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Flughafen Parchim : Pangs filmreifer Auftritt

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Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Dokumentarfilm über den chinesischen Flughafeninvestor auf Doku-Woche in Leipzig / Ab Mai 2016 im Kino

svz.de von
erstellt am 13.Okt.2015 | 06:30 Uhr

Da treffen Welten aufeinander: Ein Provinzflughafen in Parchim, von wo einst die sowjetischen Kampfjets in die Luft stiegen, mit zwei gescheiterten Privatisierungen und 30 Millionen Euro verpulvertem Steuergeld, der sich nach Entwicklung sehnt. Und ein Investor aus dem Reich der Mitte, der ausgerechnet aus der mecklenburgischen Betonpiste ein internationales Drehkreuz für den Waren- und Personenverkehr machen will und die „Zukunft der globalen Welt in Mecklenburg-Vorpommern“ sieht.

Die unendliche Geschichte des chinesischen Flughafeneigners Jonathan Pang und seine hochfliegenden Pläne – Ende Oktober ist sie auf dem 58. Internationalen Leipziger Festival für Dokumentar- und Animationsfilm zu sehen. Der Dokumentarfilm „Parchim International“ der beiden Filmemacher Stefan Eberlein und Manuel Fenn feiere am 29. Oktober Weltpremiere, teilte der Filmverleih Neue Visionen mit.

Für den Film hat Eberlein den Investor aus dem Reich der Mitte sieben Jahre begleitet – vom ersten Dreh 2008 in Parchim bis zu Aufnahmen während einer Geschäftsreise Pangs in seinem Heimatland China 2014. „Das schafft Vertrauen, das hat uns zusammengebracht“, erklärte Eberlein gestern – und den sonst öffentlichkeitsscheuen Investor vor die Kamera gebracht. Das schaffe aber auch Verständnis dafür, dass Pang selbst nach acht Jahren, in denen der Flughafen über Anfangsinvestitionen und die Ankündigung regelmäßiger Flüge aus dem Riesenreich in die mecklenburgische Provinz nicht hinaus gekommen ist, weiter an seinem Megaprojekt festhalte. Der Film wurde mit 72 000 Euro der Kulturellen Filmförderung Mecklenburg-Vorpommern und des Bundes produziert. Er zeige vor allem das Aufeinandertreffen von Lebenswelten und Glaubenssystemen“, die Mentalitätsunterschiede, die manche Erklärung beispielsweise für anfängliche irrsinnige Arbeitsplatzankündigungen von 10 000 neuen Jobs und hunderten Flügen in Parchim lieferten. Pang, der in der Doku „Taten statt Warten“ als sein Motto erkennt und an die Macht des Geldes glaubt, denke in anderen, riesigen, aus China gewohnten Dimensionen, die zu Deutschland nicht passen wollen, hat Eberlein beobachtet. Und so erkenne man in dem 90-minütigen Streifen, dass Pang zwar seit Jahren für Betriebskosten geradestehe – geschätzte 200 000 Euro im Monat – ansonsten aber viel zu wenig von den angekündigten Investorenplänen in Erfüllung gegangen sei. Aus vielen Gründen, meint Eberlein: deutsche Bürokratie, das Vermögen des Flughafenbetreibers Link Global und die Zurückhaltung der chinesischen Banken.

Und dennoch: Provinz trifft auf die globale Welt – das kann gelingen, meint Eberlein. Pangs Idee habe Potenzial. In China mit seiner aufstrebenden Wirtschaft habe die größer werdende Mittelschicht Nachholbedarf, mit der Welt in Kontakt zu treten und zu reisen – wenn es nach Pang geht, nach Parchim, ins neue Welthandelszentrum, mit dem er, wie er sagt, Geschichte schreiben wolle. „Ich kann verstehen, dass er an der Idee festhält“, meint Eberlein.

Nach Leipzig soll der Film am 19. Mai 2016 bundesweit in den Kinos anlaufen. Einer hat den Film indes bereits gesehen: Jonathan Pang. Gerührt sei er gewesen, sehr emotional habe er reagiert, sagt Eberlein, und habe erklärt: „Der Film ist perfekt.“  

 

 

 

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