Unternehmen in MV : Optimistisch ins neue Jahr

Lothar Wilken will den „Klebeeffekt“

Lothar Wilken will den „Klebeeffekt“

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06. Januar 2016, 12:00 Uhr

Die Unternehmen in Mecklenburg-Vorpommern blicken verhalten optimistisch ins Jahr 2016. Das ergab eine Umfrage der Arbeitgeber- und Wirtschaftsverbände des Landes, die gestern in Schwerin vorgestellt wurde.

34 Prozent der befragten Firmen erwarten demnach bessere Geschäfte als noch im letzten Jahr – ein Anstieg um zehn Prozent. „Die Stimmung hat sich deutlich verbessert“, sagt Manfred Lehde, Vizepräsident der Vereinigung der Unternehmensverbände (VUMV). Entscheidend war laut Lehde die gute Konjunktur – begünstigt durch einen schwachen Euro, niedrige Ölpreise und eine für den Export günstige Zinspolitik. Negative Folgen zum Start des Mindestlohns und der Rentenreform seien deshalb überdeckt worden.
„Wir rechnen für Mecklenburg-Vorpommern wieder mit einem Wirtschaftswachstum von 1,5 Prozent“, sagt Lehde. Im Vergleich fällt MV allerdings ab. Für die Bundesrepublik werden 1,9 Prozent Wachstum erwartet.

Grund für die geringeren Wachstumserwartungen in MV sind der niedrige Anteil industrieller Unternehmen und der Mangel an Fachkräften im Land. Firmen der Metall- und Elektroindustrie seien besonders betroffen, erklärt Lehde. „Die Auftragsbücher werden immer dünner.“ Die niedrige Auslastung sei ein ernst zu nehmendes Warnsignal. Damit kämpfen MV insbesondere Werften, aber auch Zulieferer anderer Unternehmen. Sie würden nur schwerlich abschätzen können, wie sich ihr Segment in diesem Jahr entwickelt. „Das ist ein Problem“, sagt Lothar Wilken, Mitglied der VUMV-Geschäftsführung.

Sein Beispiel: Der Zulieferer Webasto in Neubrandenburg, der Standheizungen für Diesel herstellt. Im Gespräche sei, dass die Europäische Union im Zuge des VW-Skandals eine neue Abgasnorm für Diesel-Fahrzeuge festlegt, die den Antrieb zukünftig zumindest infrage stellt. „Wozu bräuchte es dann noch den Webasto-Standort in Neubrandenburg?“, fragt Wilken.

Die Wirtschaft in MV benötige mehr denn je die Hilfe der Politik, um konkurrenzfähig zu sein. Der Verband fordert einen massiven Ausbau der digitalen Infrastruktur. Dabei sei die Technologie zweitrangig. „Ohne gute Bandbreite geht es nicht“, sagt Wilken. Zudem müssten die Flüchtlinge im Land möglichst schnell integriert werden. Wilken setzt auf einen „Klebeeffekt“: Diejenigen, die eine Bleibeperspektive haben, brauchen Angebote für Ausbildung und Arbeit; ebenso wie Langzeitarbeitslose. Der Fachkräftemangel könnte so behoben werden.

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