Kein Auftrag im Nahverkehr : Ola-Zug ist abgefahren

Kein Auftrag im Nahverkehr: Die Ola-Züge  sollen in Schwesterunternehmen eingesetzt oder vermietet werden.
Kein Auftrag im Nahverkehr: Die Ola-Züge sollen in Schwesterunternehmen eingesetzt oder vermietet werden.

Mit dem Fahrplanwechsel fahren auf den Strecken Rehna-Schwerin-Parchim sowie Lübeck-Bützow-Neubrandenburg-Stettin und Neustrelitz-Stralsund die bisherigen Wettbewerber Deutsche Bahn und Ostdeutsche Eisenbahn (Odeg) und fahren mit Notverträgen den vom Land bestellten Nahverkehr.

svz.de von
13. Dezember 2013, 20:00 Uhr

Für die erste Privatbahn in MV ist der Zug abgefahren: Das Bahnunternehmen Ostseelandverkehr (Ola) stellt in der Nacht zu Sonntag nach 16 Jahren den Betrieb ein. Ab Sonntag übernehmen neue Betreiber. „Ein bitterer Tag“, sagte Ola-Chef Andreas Winter gestern: „Das Kapitel Ola im Schienenpersonennahverkehr in Mecklenburg-Vorpommern ist beendet.“ Nur der Interconnex fahre weiter zwischen Rostock und Leipzig.

Mit dem Fahrplanwechsel fahren auf den Strecken Rehna-Schwerin-Parchim sowie Lübeck-Bützow-Neubrandenburg-Stettin und Neustrelitz-Stralsund die bisherigen Wettbewerber Deutsche Bahn und Ostdeutsche Eisenbahn (Odeg) und fahren mit Notverträgen den vom Land bestellten Nahverkehr. Die zum französischen Veolia-Konzern gehörende Ola war bei der Neuvergabe der Strecken gescheitert. Die Verkehrsgesellschaft hatte die „Verlässlichkeit“ des französischen Ola-Mutterkonzerns Veolia in Frage gestellt. „Nicht nachvollziehbar“, kritisierte Winter. „Bis heute gibt es keinen einzigen personalbedingten Ausfall auf den Ola-Strecken. Bis zum letzten Tag haben die Mitarbeiter einen Superdienst geleistet.“ Die Ola habe stets für hohe Qualität im Nahverkehr gesorgt sowie über einen ausreichenden Fahrzeugpark und genügend Personal verfügt. Zudem habe das Unternehmen in den vergangenen Jahren den Wettbewerb auf der Schiene vorangebracht und für einen Qualitätssprung im Schienenpersonennahverkehr in MV gesorgt, meinte Winter. Das Land weigerte sich trotzdem, bis zur Neuvergabe der Strecken die Ola mit Notverträgen weiter auf ihren angestammten Linien beispielsweise zwischen Rehna und Parchim fahren zu lassen. Das sei „nicht akzeptabel“, meinte Winter: „Ein Skandal.“

Die Streitigkeiten innerhalb des Veolia-Konzern über die Zukunft der Verkehrssparte und die Auseinandersetzung mit dem Land muss indes ein Drittel der Belegschaft mit Arbeitslosigkeit bezahlen. Von den 130 Ola-Mitarbeitern hätten 80 einen neuen Job bei Schwestergesellschaften oder Wettbewerbern gefunden, sagte Winter.

Unabschätzbare Folgen: Das Ola-Aus reißt indes beim Minderheitsgesellschafter ein riesiges Finanzloch. Der Nahverkehr Schwerin (NVS), der bislang mit 30 Prozent an der Ola beteiligt war, muss künftig auf Einnahmen von 842 000 Euro jährlich verzichten. Mehr als eine halbe Million Euro sei bislang von der Ola als Garantiedividende gezahlt worden, etwa 260 000 Euro für Instandhaltungsarbeiten und Mieten, erklärte NVS-Technikchef Lothar Matzkeit gestern: „Das Geld fehlt.“ Zudem gingen im Reparaturbereich Schwerin Aufträge verloren – Arbeit für etwa zwei Mitarbeiter. Die weitere Nutzung des eigens angelegten Gleises zum Reparaturhof sei ungeklärt. Über eine erneute NVS-Beteiligung an der für 2014 erwarteten Ausschreibung des Nahverkehrs im so genannten Ost-West-Schienennetz wollte sich Matzkeit nicht äußern. Nur so viel: „Die Tür ist nicht zu“, meinte er.

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