Kostspieliger Netzausbau : Öko-Strom kommt MV teuer zu stehen

Kostspieliger Netzausbau: Kunden im Nordosten zahlen deutlich höhere Preise

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18. Dezember 2013, 22:00 Uhr

Der Norden zahlt für die Energiewende drauf: Ungeachtet sinkender Beschaffungskosten an den Börsen müssen Kunden in MV deutlich höhere Strompreise zahlen als in anderen Bundesländern – im Schnitt 22,26 Cent je Kilowattstunde, 6,5 Prozent mehr als im Bundesdurchschnitt, geht aus einem gestern vorgelegten Strommarktbericht des Statistischen Amtes Schwerin hervor. Grund dafür sind die hohen Kosten für den Netzausbau und den Anschluss der mit Wind, Sonne oder Biogas betriebenen Öko-Kraftwerke. „Die Ausbaukosten fallen in den jeweiligen Netzgebieten an“, erklärte Michael Hillmann, Vertriebschef des zweitgrößten Regionalversorgers in MV, der Wemag AG – und müssen von den Kunden vor Ort bezahlt werden. Ungerecht: „Die, die mehr Ökostrom liefern und einen höheren Beitrag zur Energiewende in Deutschland leisten werden bestraft“, kritisierte der Energieexperte der Verbraucherzentrale MV, Horst-U. Frank, die ungleiche Verteilung der Netzkosten zulasten des einkommensschwachen Nordostens. Frank: Die Kosten müssten bundesweit umgelegt werden. Darauf drängen Landesregierung und Wirtschaft seit Jahren – bislang ohne Erfolg. „Der Ausbau der erneuerbaren Energien ist eine nationale Aufgabe, die auch von ganz Deutschland getragen werden muss“, hatte Ministerpräsident Erwin Sellering (SPD) entsprechende Initiativen des Landes seinerzeit begründet. Am Dienstag erst hatten der Netzbetreiber 50Hertz eine Milliarden-Investition für den Anschluss der Offshore-Windparks vor Rügen angekündigt. Inzwischen deckt MV 91 Prozent des Strombedarfs aus erneuerbaren Energien, teilte das Energieministerium gestern mit.

Trotz der hohen Kosten nehmen es Mecklenburger und Vorpommern mit dem Stromsparen nicht so genau: Die Energieversorger gaben 2012 so viel Strom an Haushaltskunden, Industriebetriebe, öffentliche Einrichtungen, Handel und Gewerbe, Verkehrsbetriebe und Landwirtschaft ab, wie seit 1991 nicht – insgesamt 6,7 Milliarden Kilowattstunden, drei Prozent mehr als 2011, ermittelte das Statistische Amt. Größere Fernseher, mehr Elektrogeräte: In vielen Haushalten steige der Verbrauch, meinte Frank. Auch in der Wirtschaft: Durch zahlreiche Firmenansiedlungen nehme die Zahl der Stromkunden kontinuierlich zu, erklärte Thomas Schneider, Sprecher der Stadtwerke Rostock. Energie-Staatssekretärin Ina-Maria Ulbrich mahnte angesichts des steigenden Stromverbrauchs, Energie einzusparen: „Energieeffizienz ist eine der tragenden Säulen der Energiewende.“ Das Land fördere daher Maßnahmen zur Einsparung von Energie.

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