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Vergütung in MV : Nur jeder Zweite erhält Tariflohn

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Gewerkschaften und Arbeitgeber werben für attraktive Gehaltsverträge

svz.de von
erstellt am 27.Okt.2015 | 06:30 Uhr

Ebbe auf dem Gehaltskonto: Nur knapp die Hälfte der Beschäftigten in MV wird nach in der Regel höheren Tariflöhnen bezahlt. Für die Vergütung weiterer 29 Prozent der Beschäftigten orientieren sich die Chefs wenigstens an den zwischen den Sozialpartner ausgehandelten Gehaltsverträgen, ergab die jetzt vom Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB) vorgestellte neue Gehaltsanalyse für MV. Danach haben nur 23 Prozent der Betriebe in MV einen Tarifvertrag für ihre Mitarbeiter abgeschlossen, weitere 41 Prozent orientieren sich zumindest an derartigen Verträgen.

Die Gewerkschaften mahnen zur Kurskorrektur: Der Angleichungsprozess stagniere seit Jahren, da die Chefs von ostdeutschen Klein- und Mittelbetrieben oft noch immer glaubten, sich durch Niedriglohn einen Wettbewerbsvorteil verschaffen zu können, kritisierte DGB-Landeschef Uwe Polkaehn: „Tarifflucht führt nur dazu, dass die Arbeitnehmer und Schulabgänger mit den Füßen abstimmen.“

Doch selbst Beschäftigte mit Tariflöhnen haben das Nachsehen. Zwar hätten die Vergütungssätze im Schnitt 97 Prozent des Westniveaus erreicht, so der DGB. Allerdings müssten die Tarifbeschäftigten im Osten dafür mit 38,5 Stunden jede Woche eine Stunde länger arbeiten als ihre West-Kollegen. Noch größer seien die Lohnunterschiede der Beschäftigten mit Arbeitsverträgen ohne Tarifbindung. Nach wie vor würden die Bruttoverdienste im Osten 17 Prozent niedriger ausfallen als in den alten Ländern. Polkehn: „Wenn es so weitergeht, wird Mecklenburg-Vorpommern auch weiterhin die rote Laterne bei den Entgelten behalten.“ Es sei im ureigenen Interesse der Arbeitgeber, mit den Gewerkschaften gute Tarifverträge abzuschließen. „Denn nur so können sie langfristig qualifizierte Arbeit, Wachstum und Wohlstand im Lande halten“, meinte Polkehn: „Wer auf Flüchtlinge als Billiglohnreserve setzt und den Mindestlohn umgehen will, erreicht nichts außer einem Beschäftigungsprogramm für Polizei, Zoll und Staatsanwaltschaft.“

Inzwischen erkennen auch die Arbeitgeber Defizite an: Die Tarifbindung im Osten liege deutlich unter der des Westens, erklärte die Vereinigung der Unternehmensverbände gestern. Das sei der kleinteiligen Betriebsstruktur geschuldet. So steige die Tarifbindung tendenziell mit der Betriebsgröße. In MV gebe es aber eine hohe Konzentration von Kleinstbetrieben.

Für kleinere Firmen sei die Tarifbindung aber nicht immer zu schultern. Dennoch seien nach Einschätzung vieler Unternehmen attraktive tarifliche Entgelt-und Arbeitsbedingungen starke Argumente für potenzielle Mitarbeiter. Im Bündnis für Arbeit hatten die Arbeitgeberverbände in MV zugesagt, sich für eine höhere Tarifbindung einzusetzen.  

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