Offshore-Parks in der Ostsee : Nur 130 neue Windräder vor der Küste?

Der Windpark Baltic 1
Der Windpark Baltic 1

Die Streichung von zwei Drittel der vom Land geplanten Flächen für Windparks vor der Küste Mecklenburg-Vorpommerns hat möglicherweise deutlich drastischere Folgen als von Energieminister Pegel eingeräumt.

svz.de von
15. April 2015, 20:45 Uhr

Die nach massiven Streichungen der Schweriner Landesregierung verbleibenden Flächen für küstennahe Meereswindparks ermöglicht nach Berechnungen des Branchenverbandes Windenergy Network den Bau von lediglich noch 130 neuen Offshore- Windrädern. Energieminister Christian Pegel (SPD) hatte am Vortag die Zahl von 380 bis 400 Anlagen genannt, die in den geplanten Gebieten mit einer Gesamtgröße von 197 Quadratkilometern errichtet werden könnten.

Nach Worten des Vorstandsvorsitzenden des Windenergy Network, Andree Iffländer, sind die von Pegel genannten 197 Quadratkilometer die Bruttofläche, von der jedoch noch einzuhaltende Abstände zu Kabeltrassen, Sandgewinnungsgebieten oder Schiffswracks abgezogen werden müssten. Das Windparkgebiet vor dem Darß enthalte zudem bereits den Windpark „Baltic 1“, zu dem Abstände einzuhalten seien. „Die verbleibende Nettofläche, auf der wirklich Windanlagen gebaut werden können, beträgt etwa die Hälfte, also 100 Quadratkilometer“, sagte Iffländer. Darauf könnten rund 130 Windräder mit einer Gesamtleistung von 780 Megawatt entstehen. Das entspreche der eineinhalbfachen Leistung des Rostocker Steinkohlekraftwerks.

Iffländer bestätigte, dass auf hoher See ebenfalls Pläne auf Eis gelegt wurden. So sind die Genehmigungsverfahren für fünf Projekte 30 Kilometer vor Rügen bis auf Weiteres eingestellt worden. Betroffen sind Projekte von Iberdrola und Seawind Management. Vorgesehen waren auf 191 Quadratkilometern mehr als 300 Anlagen.

Unterdessen forderte das Aktionsbündnis „Freier Horizont“ einen kompletten Verzicht auf Windparks in Küstennähe. „In einem Tourismusland gehören in die Zwölf-Seemeilen-Zone keine Windparks“, sagte der Landesvorsitzende Norbert Schumacher. Niedersachsen und Schleswig-Holstein verzichteten darauf.

Sehr kritisch sieht er die im neuen Entwurf für das Landesraumentwicklungsprogramm enthaltene Windparkfläche vor Warnemünde. Die geplanten zehn Kilometer Abstand zur Küste seien „definitiv nicht ausreichend“. Auch das Gebiet vor dem Darß mit dem bestehenden Windpark „Baltic 1“ und weiteren geplanten Anlagen sei unzumutbar.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen