Schiffbaustudie : Nordic-Werften bleibt nur noch für zehn Monate Arbeit

Fehlen neue Aufträge: den Nordic-Schiffbauern
Fehlen neue Aufträge: den Nordic-Schiffbauern

Jussufow-Werften in Mecklenburg-Vorpommern mit geringstem Auftragsvorlauf aller deutschen Schiffbauer

svz.de von
15. September 2015, 06:30 Uhr

Im Dock geht die Arbeit aus: In den drei Nordic-Werften in Wismar, Warnemünde und Stralsund sind die Orderbücher so dünn wie seit Jahren nicht mehr. Die Schiffbaubetriebe des russischen Werft-eigners Witali Jussufow verfügen nur noch über einen Auftragsvorlauf von zehn Monaten – der niedrigste Stand seit der Übernahme der insolventen Wadan-Werften in Wismar und Warnemünde 2009, geht aus der gestern vorgestellten Schiffbauumfrage im Auftrag der Gewerkschaft IG Metall Küste unter Betriebsräten von 40 Werften hervor. Die anderen deutschen Schiffbauer können auf einen Auftragsvorlauf zwischen zwölf und 80 Monaten verweisen.

Damit scheint die Auftragslage auf den Nordic-Werften dramatischer zu sein als vor Wochen angenommen: Noch im Mai ließ Jussufow erklären, dass der Bau einer Konverterplattform für einen Offshore-Windpark in der Nordsee bis 2017 die Arbeit sichere. Ohne neue Aufträge dürften der Analyse zufolge nun aber bereits Mitte 2016 die Brenner ausgehen – der niedrigste Auftragsvorlauf aller deutschen Werften. Damit rutschen die Nordic-Werften in die tiefste Krise seit der Jussufow-Übernahme: Noch vor zwei Jahren hatte Nordic auf das dickste Auftragspolster im deutschen Schiffbau verweisen können – Vorlauf für 51 Monate. Inzwischen steht hunderten Werftarbeitern der Weg zur Arbeitsagentur bevor: Während die Mehrheit der Betriebsräte auf Deutschlands Werften in den kommenden zwölf Monaten mit einer gleichbleibenden oder leicht zunehmenden Zahl der Beschäftigten rechnet, hat Nordic Massenentlassungen angekündigt. Keine neuen Aufträge für Spezialschiffe oder Offshore-Plattformen: Einige Bereiche entwickelten sich weniger dynamisch als erwartet, stimmte Werftchef Herbert Aly die Belegschaft schon auf Kürzungen ein. In Werftenkreisen ist der Abbau von 500 der 1400 Jobs in Wismar, Warnemünde und Stralsund im Gespräch.

Jussufow hatte sich vor allem im Offshore-Geschäft Wachstumsraten versprochen. Jetzt fällt ihm die Debatte um die hohen Ausbaukosten für die Windstrom auf die Füße. Erstmals seit fünf Jahren habe es im deutschen Schiffbau keinen neuen Auftrag aus dem Offshore-Bereich gegeben, analysiert die Studie. „Ein erschreckendes Signal“, kritisierte der Chef der IG Metall Küste, Meinhard Geiken. Bei den Auftragseingängen haben laut der Befragung Kreuzfahrtschiffe, Yachten und Fähren dominiert – keine Geschäftsfelder der Werften in MV mehr. Die IG Metall forderte Planungs- und Investitionssicherheit für den Ausbau der Offshore-Windenergie. Geiken: „Durch die geplanten Ausschreibungen und damit verbundenen Verzögerungen droht die Auftragskette wieder abzureißen.“

Die Auftragsnot lässt indes auch die Landesregierung aufhorchen: Es sei wesentliche Aufgabe, dass die Unternehmen neue Aufträge akquirierten, forderte Wirtschaftsminister Harry Glawe (CDU) gestern. Zumindest der Neptun-Werft in Rostock ist das gelungen: Die Schiffbauer hätten sich mit dem dem Bau von Flusskreuzfahrtschiffen eine führende Marktpositionen erarbeitet, bescheinigte ihnen Glawe. Vor knapp einem Jahr hatte die Schweizer Viking River Cruises sechs neue Flusskreuzfahrtschiffe in Rostock bestellt. Das sichert den Werftarbeitern an der Warnow einen Auftragsvorlauf von 24 Monaten – acht Monate länger als noch vor einem Jahr.


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