Landwirtschaft : Noch mehr Macht für Großbauern

MV ist reich an Äckern und grünland. Bernhard Reemtsma, einer der größten Bodenbesitzer des Landes, will 137 Hektar Acker und Grünland in Upahl, Kastahn und Diedrichshagen gegen 115 Hektar Landesflächen im Klützer Winkel tauschen.
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MV ist reich an Äckern und Grünland. Bernhard Reemtsma, einer der größten Bodenbesitzer des Landes, will 137 Hektar Acker und Grünland in Upahl, Kastahn und Diedrichshagen gegen 115 Hektar Landesflächen im Klützer Winkel tauschen.

Land lässt sich heute vom Landtag umstrittenen Ackerdeal mit Großgrundbesitzer Reemtsma absegnen – mit den Stimmen der Opposition

svz.de von
25. September 2015, 06:00 Uhr

Neue Großgrundbesitzer in MV: Mit den Stimmen der demokratischen Landtagsparteien will sich die Landesregierung heute eines der umstrittensten Bodengeschäfte der letzten Jahre absegnen lassen. Bernhard Reemtsma, Nachfahre der früheren Tabakdynastie und einer der größten Bodenbesitzer in MV, will 137 Hektar Acker und Grünland in Upahl, Kastahn und Diedrichshagen gegen 115 Hektar Landesflächen im Klützer Winkel tauschen – einer der ertragreichsten Regionen im Land. Der Großlandwirt hatte in den 90er-Jahren das ehemalige volkseigene Gut Groß Walmsdorf von der Treuhand gekauft.

Pikant: Agrarminister Till Backhaus (SPD) hatte nach dem zwischen der Milliardärsfamilie Rethmann aus Wamkow bei Sternberg und dem Land vor zwei Jahren vereinbarten Tausch von hunderten Hektar Wald weitere Bodengeschäfte dieser Größenordnung ausgeschlossen. Der Landtag hatte damals trotz Kritik der Übertragung von 426 Hektar im Raum Sternberg aus Landesbesitz an Rethmann und die Übergabe von 609 Hektar in Vorpommern aus Privatbesitz an das Land beschlossen. Backhaus ließ jetzt erklären, der damals ausgesetzte Bodentausch habe sich auf Wald-, nicht aber auf Ackerflächen bezogen.

Von dem Ackerdeal mit Reemtsma verspricht sich die Regierung indes eine Mehrung des Landesvermögens. So erhalte MV laut einem Gutachten neben 22 Hektar zusätzlicher Fläche einen Wertvorteil von knapp einer halben Million Euro. Zudem kann die Landeskasse mit Pachteinnahmen und Erträgen aus dem Betrieb einer Windkraftanlage rechnen. „Ein Plusgeschäft“, befürwortet selbst der Oppositionsführer der Linken, Helmut Holter, den Tausch – Zustimmung ebenso bei SPD und CDU, auch bei den Grünen.

Vor Ort sorgt der Deal aber für Bedenken: Reemtsma, der als einer der wohlhabensten Norddeutschen gilt, hat in den vergangenen Jahren seinen Besitz in MV stetig vergrößert. Inzwischen sollen 4000 Hektar zu seinen Ländereien zählen, in der Branche wird von 7000 Hektar ausgegangen.

Jetzt fürchten Bauern eine beherrschende Marktmacht Reemtsmas in der Region, die für weiter steigende Pachtpreise für Ackerflächen sorgen aber auch die Vergabe von Jagdflächen beeinflussen könnte. „Ein Skandal“, meint Burkhard Roloff , Agrarexperte des Umweltverbandes BUND: „Regierung und Opposition schauen zu, wie Boden und Kapital noch mehr konzentriert werden. Große werden immer größer.“ Das habe nichts mit breit gestreutem Eigentum zu tun, wie es immer wieder gefordert werde. Warnungen auch beim Bauernverband: Mit dem Tausch liefen Landwirte Gefahr, nach dem Auslaufen bestehender Pachtverträge Fläche zu verlieren oder höhere Pachtpreise zahlen zu müssen, kritisierte Jörg Haase, Chef des Kreisbauernverbandes Nordwestmecklenburg.

Das Agrarministerium verteidigte den Deal wies Kritik aus der CDU-Landtagsfraktion zurück, wonach das Land ähnliche Tauschgeschäfte mit kleineren Agrarbetrieben bislang regelmäßig abgelehnt haben soll. Flächenarrondierungen seien normale Verfahren. Allein im Kreis Ludwigslust-Parchim seien 2013 und 2014 bei neun Flurneuordnungsverfahren Agrar- und Forstflächen getauscht worden, sagte ein Sprecher. 

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