Mecklenburg-Vorpommern : Niedrigste Arbeitslosenzahl seit der Wende

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Am Arbeitsmarkt Mecklenburg-Vorpommerns geht es aufwärts. Einige Landkreise haben sogar einstellige Arbeitslosenquoten. Langzeitarbeit-Erwerbslose finden allerdings nur schwer einen neuen Job. Sie sollen künftig gezieltere Unterstützung bekommen.

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01. Juli 2014, 20:00 Uhr

Rekordtief: Die Zahl der Arbeitslosen in Mecklenburg-Vorpommern ist im Juni auf 87 400 gesunken. Das ist der niedrigste Wert seit Beginn der statistischen Erhebung nach der Wende. Wie die Regionaldirektion Nord der Bundesagentur für Arbeit am Dienstag in Kiel mitteilte, waren landesweit 3300 Menschen weniger auf Jobsuche als noch im Mai.

Die Wirtschaft frage wegen der guten Konjunktur und der beginnenden Ferienzeit verstärkt Arbeitskräfte nach, vor allem im Gastgewerbe, im Handel und im Gesundheitsbereich, sagte Agenturchefin Margit Haupt-Koopmann. Zudem seien, wie jeden Monat, rund 1200 Menschen in Rente gegangen und hätten so zum Rückgang der Beschäftigungslosigkeit beigetragen. Im Vormonat Mai war der Rückgang allerdings kräftiger ausgefallen. „Wegen des schönen Wetters und der frühen Tourismussaison gab es erhebliche Vorzieheffekte“, erklärte Haupt-Koopmann.

Die Arbeitslosenquote ging weiter zurück und lag Ende Juni bei 10,5 Prozent. Damit rangierte Mecklenburg-Vorpommern im Ländervergleich vor Bremen (10,8) und Berlin (11,0) auf Rang 14, knapp hinter Sachsen-Anhalt (10,4). Nur noch in diesen vier Bundesländern ist die Quote zweistellig. Bundesweit ging die Zahl der Erwerbslosen leicht auf 2 833 000 zurück. Die Arbeitslosenquote sank auf 6,5 Prozent.

Die Landesregierung in Schwerin und Haupt-Koopmann werteten den kontinuierlichen Rückgang der Arbeitslosigkeit als Beleg für den wirtschaftlichen Aufschwung im Land. „Die Entwicklung kann gerne so weitergehen“, sagte Haupt-Koopmann. Sie wollte sich aber nicht zu der Prognose von Wirtschaftsminister Harry Glawe (CDU) äußern, der für den Sommer erstmals für Mecklenburg-Vorpommern eine Arbeitslosenquote von unter zehn Prozent erwartet. Wichtig sei, dass die sozialversicherungspflichtige Beschäftigung zunehme, betonte Glawe und verwies auf die Belebung der regionalen Wirtschaft. „Es tut sich was“, sagte er.

Die Zehn-Prozent-Hürde haben zwei Landkreise schon genommen. Vor allem dank der hohen Zahl von Pendlern in westliche Bundesländer verzeichnete der Kreis Ludwigslust-Parchim ebenso wie der Landkreis Rostock mit 8,1 Prozent landesweit die niedrigste Quote. Am höchsten lag sie erneut in der Mecklenburgischen Seenplatte mit 12,8 Prozent. Von der positiven Entwicklung profitierten alle Alters- und Personengruppen - „ob unter 25 oder über 55, ob schwerbehindert oder langzeitarbeitslos“, stellte Haupt-Koopmann, fest. Den Arbeitsagenturen und Jobcentern seien seit Jahresbeginn 21 900 sozialversicherungspflichtige Arbeitsplätze gemeldet worden, 800 mehr als im gleichen Zeitraum des Vorjahres.

Kritisch merkte sie jedoch an, dass trotz des aktuellen Rückgangs, die Zahl der Langzeitarbeitslosen mit 34 400 um 2200 über dem Wert vom Juni 2013 liege. Der Abbau der Langzeitarbeitslosigkeit bleibe daher eine vordringliche Aufgabe. Dafür gebe es zahlreiche Förderprogramme der Bundesagentur, sowohl für junge Leute, die ihre Ausbildung nachholen wollten, als auch zur Integration älterer Arbeitnehmer. Haupt-Koopmann appellierte an die Unternehmen, das Instrument der Lohnkostenzuschüsse stärker anzunehmen und so etwa in Form von Probebeschäftigungen Langzeitarbeitslosen eine Chance zu geben. Für Eingliederungsprojekte stünden in den Jobcentern des Landes im Jahr 2014 rund 111 Millionen Euro zur Verfügung.

Landesarbeitsministerin Birgit Hesse (SPD) verwies darauf, dass auch das Land seine Bemühungen um die Integration Langzeitarbeitsloser verstärke und dafür Mittel des Europäischen Sozialfonds einsetze. „Es darf nicht zu einer Verfestigung von Arbeitslosigkeit kommen. Deshalb ist es so wichtig, Menschen, die schon seit längerem ohne Arbeit sind, fit für den Arbeitsmarkt zu machen“, sagte sie. Es gehe um individuelle Beratung und Förderung.

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