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Atom-Ethikkommission : "Nichts ist alternativlos"

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Mit einer Marathonanhörung nahm die Atom-Ethikkommission am Donnerstag ihre Arbeit auf. Bis Ende Mai soll der Abschlussbericht vorliegen.

svz.de von
erstellt am 28.Apr.2011 | 09:22 Uhr

Berlin | Er ist einer der mächtigsten Atommanager der Republik. Jetzt gerät EON-Chef Johannes Teyssen in Verteidigungshaltung. "Jedes Auto, das ohne Versicherungsschutz fährt, ist ein Verbrechen bei uns, aber ein Kernkraftwerk, das nicht privat versichert wird, wird nicht zur Rechenschaft gezogen", attackiert ihn der Risikoforscher Ulrich Beck. Teyssen kontert bissig, warnt vor Risiken für das Weltklima durch einen übereilten Ausstieg aus der Atomenergie. Wenn sich die Kommission entscheide, "einen fossileren Weg" der Energieerzeugung zu gehen, sei das auch nicht nachhaltig. Wirtschaftslogik gegen Gesinnungsethik? Michael Hüther, Chef des Instituts der deutschen Wirtschaft, warnt vor Moralismus und spottet, die Bandbreite des Anspruchs der Kommission sei "die Lösung aller Probleme, die es in der Welt so gibt". So geht es hier Schlag auf Schlag.

Der von der Bundesregierung eingesetzte "Rat der Weisen" macht sich an die Arbeit. Die zentrale Frage gestern in Berlin: Wie könnte der Masterplan für die Energiewende aussehen? Es wird eine mehr als zehnstündige Marathonanhörung. Man liefert sich kleine Rededuelle, jongliert mit Zahlen, Prognosen, buchstabiert Chancen und Risiken des beschleunigten Atomausstiegs Schritt für Schritt durch, holt den Rat der Experten ein. Klaus Töpfer (CDU), der frühere Umweltminister, und die 17 Kommissionsmitglieder sollen ausloten, wie schnell die Energiewende in Deutschland zu schaffen ist. Ein schwieriges Unterfangen.

In Koalition und Kanzleramt scheint klar: Kaum jemand hält noch für denkbar, dass die während des Moratoriums abgeschalteten Meiler längerfristig wieder ans Netz gehen.

Es werden Mini-Referate gehalten, Folien eingeblendet, Diagramme erläutert. Über weite Strecken wird es eine Fachdebatte über Netzausbau, Stromspeicher, Klimaschutzziele und Energieimporte. Ganz wie Geißler in Stuttgart tritt Klaus Töpfer als strenger Moderator auf: Kein Expertenstatement darf länger als sieben Minuten dauern, keine Frage mehr als eine Minute. Und doch entwickeln sich kontroverse Diskussionen. Hier die Kommission: Bischöfe, Unternehmer, Wissenschaftler, Ex-Politiker. Dort die versammelte Expertenriege. "Nichts ist alternativlos", hatte Matthias Kleiner, Ko-Vorsitzender der Ethikkommission, gleich zu Anfang der Anhörung betont. Allerdings blieb auch gestern unklar, ob Kleiner, Töpfer & Co. am Ende ihrer Arbeit ein konkretes Zieldatum für den Atomausstieg nennen wollen. Ende Mai soll der Abschlussbericht mit konkreten Empfehlungen veröffentlicht werden. Kanzlerin Merkel hat die Erwartungen bereits hoch gesteckt: Sie erhoffe sich von der Kommission auch Antworten zu "Zielkonflikten" wie dem Klimaschutz und Stromimporten bei einem schnelleren Atomausstieg.

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