Falschgeld wird seltener : Neue Fünfer, falsche Fuffziger, weniger „Blüten“

Kennt die Tricks der Geldfälscher: Klaus-Dieter Ehling
Kennt die Tricks der Geldfälscher: Klaus-Dieter Ehling

Falschgeld wird seltener. Laien müssen meist genau hinsehen, um nachgemachte Scheine zu erkennen

svz.de von
31. Dezember 2013, 12:00 Uhr

Die Neubrandenburger Verkäuferin hätte den Schein nur umdrehen müssen: Die vermeintliche Fünfzig-Euro-Note, mit der ein Kunde im September bezahlte, entpuppte sich als schlecht gedruckter Werbezettel eines kleinen Brandenburger Theaters, wie Kriminalhauptkommissar Klaus-Dieter Ehling, Falschgeldexperte beim Landeskriminalamt (LKA) Mecklenburg-Vorpommern in Rampe bei Schwerin, erklärt. Erst bei der Abrechnung flog der Schwindel auf.

Normalerweise reiche ein kurzer Blick aber nicht aus, um „Blüten“ zu erkennen. Geldfälscher arbeiteten immer professioneller, die Qualität der Falsifikate nehme zu, sagt LKA-Sprecher Michael Schuldt.

Das relativ dünn besiedelte Land mit seiner verhältnismäßig geringen Kaufkraft der Bevölkerung sei indes nur ein Nebenschauplatz der europäischen Fälscherkriminalität. „Mecklenburg-Vorpommern hat kein Falschgeldproblem“, betont Ehling. Im Nordosten sei es wenig attraktiv, „Blüten“ in den Verkehr zu bringen. So wurden in diesem Jahr im Nordosten deutlich weniger Fälschungen aus dem Verkehr gezogen als 2012. Bis Ende November entdeckten Polizei, Geldinstitute und Geschäfte im Land insgesamt 277 falsche Banknoten, im Vorjahreszeitraum waren es noch 454 Scheine - ein Rückgang um 39 Prozent. Der Nennwert der „Blüten“ verringerte sich von 24 100 Euro (2012) auf 10 550 Euro.

Beim Falschgeld dominieren weiterhin die 20-Euro-Noten, wie Ehling bilanziert. Sie machten von Januar bis November 2013 mit 161 Scheinen mehr als die Hälfte der Fälschungen aus. Eine ganze Serie von 47 gefälschten 20-Euro-Scheinen etwa wurde im Hochsommer in Nordwestmecklenburg aus dem Verkehr gezogen. Auch im vorigen Jahr machten die falschen Zwanziger das Rennen. In den ersten elf Monaten 2012 wurden 184 nachgemachte 20-Euro-Noten entdeckt, das waren vier von zehn „Blüten“. An zweiter Stelle rangierten jeweils die „falschen Fuffziger“. 60 wurden bisher in diesem Jahr gefunden, 135 im Vorjahr.


Falschgeld vor allem in der Urlaubszeit


Das meiste Falschgeld im Nordosten kommt aber nicht beim Einkaufstrubel zum Jahresende zum Vorschein, wie die Kriminalisten beobachten. Schwerpunkt sei vielmehr die Ferienzeit im Sommer, wenn sich viele Touristen in den Geschäften tummeln. Gefahr lauere dort, wo viel in bar gezahlt werde: im Supermarkt, beim Bäcker oder in der Drogerie. „Falschgeldverbreiter suchen gezielt nach Gelegenheiten, in denen das Kassenpersonal unter Zeitdruck steht“, sagt Ehling. Dabei werden die Fälschungen in der Regel immer besser.

Professionelle Werkstätten fänden sich vor allem in Neapel, weniger in Osteuropa, wie die Experten sagen. „80 Prozent der Falsifikate haben eine hohe Qualität und werden in gut organisierten Druckereien hergestellt“, erklärt Ehling. Dank professioneller Materialien imitieren die Fälscher oft diverse Sicherheitsmerkmale wie Wasserzeichen, Hologramm, Sicherheitsfaden.

„Sogenannte Schülerfälschungen spielen kaum noch eine Rolle“, betont der Falschgeldexperte. Ausnahme bilde allenfalls das illegale Verwenden von Gelddarstellungen für Werbezwecke, wie im Fall des in Neubrandenburg gefundenen Theaterzettels. Geradewegs dilettantisch hingegen seien die ersten Fälschungen der 2013 eingeführten Fünf-Euro-Scheine, die verbesserte Sicherheitsmerkmale aufweisen sollen. Sieben falsche „neue Fünfer“ wurden im Land bisher entdeckt. „Das waren wohl Versuche“, sagt Ehling.

Doch auch jede noch so gute Fälschung lasse sich erkennen. Am besten geeignet dazu sei nach wie vor die klassische Methode „Fühlen - Sehen - Kippen“. „Bislang wurde keine Banknotenfälschung registriert, bei der alle Sicherheitsmerkmale gleichermaßen täuschend echt nachgeahmt waren“, betont der Experte.

Auch bei den nachgemachten Münzen gab es in Mecklenburg-Vorpommern einen Rückgang. Wurden von Januar bis November 2012 noch 1425 Geldstücke aus dem Verkehr gezogen, so waren es in diesem Jahr bislang nur 1266 falsche Münzen; das sind 11 Prozent weniger.

Bundesweit hält der Rückgang von Falschgeld ebenso an. Die Deutsche Bundesbank registrierte im ersten Halbjahr 2013 rund 19 500 falsche Euro-Banknoten. Die Zahl der Fälschungen ist damit im Vergleich zum zweiten Halbjahr 2012 um 13,6 Prozent gesunken, wie es hieß. Die Zahl der falschen Münzen nahm im Vergleichszeitraum von rund 29 500 auf 28 500 Falsifikate ab. Das Gros waren nachgeahmte Zwei-Euro-Münzen für den Automatenverkehr.


zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen