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Wirtschaft : MV steigt aus Pelztierhaltung aus

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Vergleich vor Gericht: Nerzfarmen werden Ende 2017 geschlossen

Freiheit für Zehntausende Pelztiere: Mecklenburg-Vorpommern steigt 2018 endgültig aus der Haltung von Nerzen aus. Die beiden letzten Pelztierfarmen in Klueß bei Güstrow und Wesenberg-Zirtow im Landkreis Mecklenburgische Seenplatte werden Ende 2017 geschlossen. Dem haben die Betreiber in einem von den Verwaltungsgerichten Schwerin und Greifswald bestätigten Vergleich zugestimmt, teilte gestern das Landwirtschaftsministerium in Schwerin mit. „Damit geht ein jahrelanger Rechtsstreit endlich dem Ende entgegen“, begrüßte Agrarminister Till Backhaus (SPD) die Entscheidung. MV werde „bald frei von Pelztierhaltungen sein“. In den beiden letzten Nerzfarmen werden 31 000 Tiere gehalten – 16 000 in Zirtow, 15 000 in Klueß.

Allerdings verstoßen beide Anlagen nach Einschätzung der Aufsichtsbehörden seit Jahren gegen geltende Haltungsvorschriften. So schreibe die 2011 in Kraft getretene neue Tierschutz-Nutztierhaltungsverordnung u. a. für jedes Tier eine Grundfläche von einem Quadratmeter und Gehegegrößen von mindestens drei Quadratmetern vor, zudem den Zugang der Tiere zu einem Wasserbecken.

Gegen die neuen Haltungsvorschriften laufen die Nerzfarmen seit Jahren vor Gericht Sturm. Zu viel Platz für die Tiere sei gar nicht gut, meinte Jürgen Brokamp, Chef des Zentralverbandes deutscher Pelztierzüchter und Eigner der Nerzfarm in Zirtow – eine der größten in Deutschland. Er sei davon überzeugt, dass die Verordnung vor Gericht gekippt werde. Die Pelztierhaltung stehe seiner Meinung nach zu unrecht in der Kritik. Nerze in Käfigen, das habe nichts mit „Quälerei“ zu tun. Vielmehr seien die bisherigen Käfiggrößen „ausreichend“.

Entsprechende Entscheidungen der Justiz haben indes auf MV keine Auswirkungen: In dem Vergleich hätten sich die Farmer unabhängig von Gerichtsentscheidungen zur Schließung der beiden Farmen verpflichtet, teilte das Agrarministerium mit. Andernfalls drohten ihnen Vertragsstrafen.

Erleichterung beim Tierschutzbund in MV: Der Verein hatte zwar ursprünglich den sofortigen Ausstieg aus der Nerzhaltung noch 2014 gefordert, sagte Landeschefin Kerstin Lanz. Mit dem jetzt gefundenen Kompromiss sei aber ein Ende für die „unsäglichen Haltungsbedingungen“ in den Pelztierfarmen absehbar. Zirtows Farm-Eigentümer Brokamp sieht allerdings auch nach dem jetzt geschlossenen Vergleich noch kein Ende der Pelztierhaltung: „Ich gehe davon aus, dass es irgendwo weitergehen kann“, sagte er gestern gegenüber unserer Zeitung ohne Einzelheiten zu nennen.

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erstellt am 12.Jun.2014 | 21:15 Uhr

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